Die Mängelliste ist lang. Dreimal war die Feuerwehr in den vergangenen Wochen in der besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule an der Reichenberger Straße in Kreuzberg. Dabei erfassten die Beamten vieles, was Brandschutzauflagen zuwiderläuft. Sie fanden beispielsweise Zelte und Müll vor verrammelten Fluchttüren, laienhaft reparierte Elektroleitungen und glühende Heizöfen neben Matratzenlagern.

Diese und weitere Mängel führten dazu, dass ehemalige Schulgebäude, das seit fast eineinhalb Jahren besetzt ist, unter „erhöhten Alarm“ zu stellen. Diesen Status eines Gefahrenherdes erteilt die Feuerwehr Orten, bei denen sie von einer hohen Gefahrenlage ausgeht. Was das heißt, erläutert Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke so: „Das heißt, dass bei einer Brandmeldung immer vier Staffeln statt der üblichen zwei Staffeln alarmiert wird.“

Regelmäßige Kontrollen vor Ort

Die Mängelliste liegt beim Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, dem Eigentümer des Gebäudes. Dieses war ursprünglich als Ort gedacht, an dem Sozial- und Kulturprojekte für den Kiez tätig sind. Doch nachdem der Bezirk im Herbst 2012 beschlossen hatte, das Haus als Winterquartier für Flüchtlinge vom Oranienplatz zur Verfügung zu stellen, geriet die Lage außer Kontrolle. Etwa 200 Menschen hausen derzeit dort – Flüchtlinge, Obdachlose und Roma-Familien, aber auch Kriminelle und manchmal auch Touristen auf der Suche nach kostenloser Unterkunft.

Die Feuerwehr-Liste, versichert Bezirksamts-Sprecher Sascha Langenkamp, werde akribisch abgearbeitet. „Matratzen und Kocher wurden von den Gängen entfernt, das Dachgeschoss und der Keller sind abgeschlossen.“ Regelmäßig kontrollierten Mitarbeiter vor Ort. Die Feuerwehr habe den Kellerschlüssel, damit sie im Ernstfall an den Haupthahn für das Gas gelange. In den nächsten Tagen soll ein privater Sicherheitsdienst die Arbeit aufnehmen. Rund um die Uhr soll der Haupteingang dann mit englisch-sprachigen Pförtnern besetzt sein, um einen weiteren unkontrollierten Zuzug zu verhindern.

Doch an eine Räumung des illegal besetzten Gebäudes denkt im Bezirk niemand. Außer der CDU, die im Alltag dort aber kaum eine Rolle spielt. Alle anderen politischen Kräfte – Grüne, SPD, Linke und Piraten – finden zwar auch, dass in der Schule nicht gewohnt werden sollte, aber sie setzen auf Gespräche, um dies zu erreichen. Darauf, dass die Besetzer irgendwann freiwillig gehen. Für die Roma-Familien, heißt es optimistisch, könnten schon im März geeignete Unterkünfte gefunden sein. „In diese Räume könnte dann als erstes Projekt ein Träger für die Flüchtlingshilfe einziehen“, sagt Sascha Langenbach.

Geld für zehn Spielplätze

Auch wenn der Bezirk die unhaltbaren Zustände langsam in den Griff kriegen sollte, steht eines fest: Die besetzte Schule wird für ihn teuer. Seit Beginn der Besetzung sind Bewirtschaftungskosten in Höhe von gut 155 000 Euro entstanden, für Heizung, Strom, Wasser und Reparaturen. Das teilte Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) auf Anfrage der CDU-Fraktion im Bezirksparlament mit. Allein die Kosten für den Sicherheitsdienst bezifferte der Stadtrat am Mittwochabend auf bis zu 30 000 Euro monatlich. Mit dem Geld, das die Pförtner in zehn Monaten kosten, könnten im Bezirk etwa zehn Kinderspielplätze saniert oder instand gesetzt werden. Die CDU jedenfalls will sich mit der politischen Praxis nicht abfinden. Man denke darüber nach, den Landesrechnungshof einzuschalten, heißt es.