Fast täglich wurden Ende vergangenen Jahres Turnhallen beschlagnahmt, um Flüchtlinge unterzubringen. Qualitätsstandards gerieten da leicht aus dem Blick. Nun hat die Initiative „Kreuzberg hilft“ einen Offenen Brief geschrieben, um auf die aus ihrer Sicht unzumutbaren Zustände in zwei Hallen in der Geibelstraße und am Tempelhofer Ufer hinzuweisen.

Zu wenig Essen, harte Pritschen

Die Initiative wirft dem Betreiber der im November belegten Turnhallen, der Firma Akzente-Sozial UG, vor, „dass das Essen nicht hinreichend geeignet ist, die Menschen satt zu machen“, heißt es. Auch fehlten Hygieneartikel. Es gebe keine Trennwände, keine Waschmaschinen. Die Bewohner müssten auf Feldbetten ohne Matratzen schlafen. Freiwillige Helfer, die sich kritisch geäußert hätten, seien mit Hausverbot belegt worden.

Ralf Kuhirt, Geschäftsführer der Akzente-Sozial, räumt Mängel ein. „Sie werden innerhalb von 14 Tagen beseitigt“, sagt er. Das sei bei einem Runden Tisch am Dienstagabend mit den Ehrenamtlichen sowie Vertretern des Lageso und des Gesundheitsamtes vereinbart worden. Das Treffen war zustande gekommen, nachdem Mitarbeiter des Lageso aufgrund von Beschwerden die Hallen inspiziert hatten. Dass die Bewohner nicht satt würden, sei aber Schuld der freiwilligen Helfer, sagt Kuhirt. „Sie haben oftmals die vorgegebenen Portionierungen nicht eingehalten“, sagt er. Und Hausverbot sei nur gegen Ehrenamtliche verhängt worden, die die Bewohner aufgewiegelt hätten. Womit? Das will Kuhirt nicht sagen.

„Standards nicht vereinbart“

Seine Firma betreibt eine dritte Turnhalle in Adlershof und ist für insgesamt 500 Flüchtlinge zuständig. Das Lageso erstattet pro Person Kosten von 25 Euro täglich. Macht 12.500 Euro am Tag. Darüber hinaus gebe es weitere Zahlungen durch das Lageso, so Kuhirt. Erst seit Kurzem ist die Akzente-Sozial UG, die aus einer anderen Firma hervorging, in der Flüchtlingsunterbringung tätig. Auch Geschäftsführer Kuhirt ist Quereinsteiger. Vorher sei er Projektleiter im Bereich Bildung gewesen. „Mich interessierte der soziale Aspekt“, sagt er.

Kontrollen durch die Sozialverwaltung

„Der Senat ist sehenden Auges in das Unterbringungsdesaster gerannt“, sagt Fabio Reinhardt (Piraten). Es gebe keine Verträge mit den Betreibern, die Standards würden kaum kontrolliert. „Die Firma hat auf die Beschwerden der Ehrenamtlichen lange nicht reagiert und stattdessen Hausverbot erteilt. Das spricht für einen dubiosen Betreiber“, sagt er. Unterdessen hat die Sozialverwaltung weitere Kontrollen durch das Lageso angekündigt.