Auch mit viel gutem Willen kann man derzeit nichts Schönes an ihm finden. Seit zehn Jahren ist der Mehringplatz am südlichen Ende der Friedrichstraße in Kreuzberg eine Baustelle. So lange schon sanieren die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) dort ihre U-Bahnschächte. Schwere Fahrzeuge haben tiefe Furchen hinterlassen, wo früher mal Rasen wuchs. Hinterm Zaun, der die Baustelle umschließt, stapelt sich Müll, den Passanten dort achtlos hinwerfen.

Doch die sichtbare Verwahrlosung soll ein Ende haben. Wenn im Herbst die Bauarbeiten beendet sind, soll mit der Umgestaltung des kreisrunden Platzes begonnen werden. Im Inneren des Doppelrings aus Sozialwohnungen soll eine grüne Ruhe-Oase entstehen. So sieht es der Siegerentwurf eines Wettbewerbs zwischen sieben Landschaftsarchitekturbüros vor.

Robuster Rasen

„Wir haben lange um eine Lösung gerungen und halten diesen Entwurf für den besten“, sagt Hans Panhoff, der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg. Der kreisrunde Platz, der im 18. Jahrhundert als repräsentatives Entree zur Friedrichstadt angelegt wurde und der heute von Sozialwohnungen umschlossen ist, soll von jeder Nutzung freigehalten und mit robustem Rasen und Bäumen versehen werden. Andere Büros hatten weniger Grün und dafür Wege über den Platz vorgeschlagen.

Das Büro Arge Lavaland GmbH, TH Treibhaus ist auf Wünsche von Anwohnern eingegangen, sagt der Grünenpolitiker. Die Rasenfläche soll Liegefläche und Spielplatz zugleich sein. Die Hochbeete am Platzrand werden zu Sitzgruppen umgestaltet. Der Weg quer über den Mehringplatz wird beseitigt. Der erhoffte Nebeneffekt: Wenn die Passanten gezwungen werden, um den Platz herum zu laufen, sollen sie die Läden in den Häuser beleben.

Zweifel bei Anwohnern

Denn der Franz-Mehring-Platz, kurz Mehringplatz genannt, hat es nicht gerade leicht, er gilt als sozialer Brennpunkt. Laut statistischem Landesamt leben dort knapp 13.000 Menschen, jeder Dritte ist Ausländer. Der Platz, an dem die berühmte Friedrichstraße beginnt, gehört weder zu Mitte mit all den Touristenattraktionen noch zum hippen Kreuzberg mit Cafés und Restaurants.

Annelie Z. wohnt seit 40 Jahren dort. Sie hält die Umgestaltung für unrealistisch. „Niemand hier wird sich daran halten, die offiziellen Wege zu gehen“ sagt sie. Und zum Thema Ruhe-Oase meint sie nur: „Es gibt hier jede Menge Trinker, die nachts Partys veranstalten. Der Lärm dringt bis in unsere Wohnungen.“ Eine Wiese mit Bänken werde noch mehr Partygänger anlocken.

Bis Ende August will der Bezirk Denkmalschutz-Fördergeld für die Umgestaltung beantragen. Rund 3,2 Millionen Euro sollen die Arbeiten kosten, die im Jahr 2019 beendet sein sollen.

Ausstellung: Alle Wettbewerbsarbeiten für den Mehringplatz sind bis zum 8. März im Rathaus Kreuzberg, Yorckstraße 4–11, zu sehen, geöffnet Mo–Fr von 8 bis 20 Uhr.