Mit sechs Wochen Verspätung soll nun doch geräumt werden. Sollten sich beide Streitparteien nicht noch kurzfristig einigen, erscheint am Donnerstag Punkt 9 Uhr der Gerichtsvollzieher an der Manteuffelstraße 99 in Kreuzberg. Er soll den dortigen „Gemischtwarenladen mit Revolutionsbedarf“ räumen.

Der Mieter, der im Kiez bekannte Hans Georg Lindenau, von allen dort nur mit HG angesprochen, soll endgültig raus. Ein Antrag auf Räumungsschutz wurde am Dienstagmorgen vom Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg abgelehnt. Lindenau, der seit einem Sprung von der Kirche am Lausitzer Platz 1989 gelähmt ist und im Rollstuhl sitzt, hatte gesundheitliche Gründe geltend gemacht. Und: Vor wenigen Tagen hat er einen Mietvertrag für einen neuen Laden unterschrieben, der in einem Mietshaus an der Falckensteinstraße liegt, aber erst ab Mai 2017 frei ist. Solange wollte er noch in seinem alten Geschäft bleiben. Doch die Rechtspflegerin beim Amtsgericht lehnte das ab.

Blockaden und Kundgebung angekündigt

Lindenaus Vermieter, ein Unternehmer aus West-Berlin, hatte ihm schon vor Monaten wegen massiver Vertragsverletzung gekündigt, wie es heißt. Die Kündigung ist rechtskräftig. Vor sechs Wochen war schon einmal eine Zwangsräumung angesetzt, doch es kam kurz vorher zu einem überraschenden Vergleich: Lindenau gab seine Wohnung im ersten Stock heraus, dafür durfte er bis zum 20. September im Laden bleiben. Bis dahin sollte er sich etwas Neues suchen.

Das hat der Mieter auch getan, nur nicht zum vereinbarten Termin. Der Anwalt des Hauseigentümers sagte am Dienstag, man habe viele Zugeständnisse gemacht, ein längeres Bleiben sei „wegen seines Verhaltens“ inakzeptabel.  Im neuen Mietvertrag für die Falckensteinstraße gebe es zudem ungewisse Klauseln und keinen seriösen Übergabetermin.

Lindenaus Unterstützer, darunter die Bündnisse Bizim Kiez und „Zwangsräumung verhindern“ kündigten bereits Widerstand an, sollte es zu keiner Einigung kommen. Am Mittwochabend soll eine Kundgebung vor dem Laden stattfinden, für Donnerstag wird zu Blockaden aufgerufen. Unterstützer aus ganz Europa hätten sich angemeldet, hieß es. Und: Für den Fall einer Zwangsräumung würden nicht nur in Kreuzberg Autos brennen.