Berlin - Erste Berliner Polizisten sind jetzt probeweise mit Elektroschockwaffen im Dienst. Innensenator Andreas Geisel gab am Montag den Start eines dreijährigen Probelaufs mit sogenannten Tasern bekannt. Der SPD-Politiker erklärte, die Waffen könnten möglicherweise Leben schützen und Polizisten vor traumatischen Situationen bewahren. Künftige Einsätze der Taser sollen detailliert ausgewertet werden. „Zugleich hoffe ich natürlich, dass weder diese Einsatzmittel noch die Schusswaffe eingesetzt werden müssen“, so Geisel.

Der Test ist zunächst auf zwei Polizei-Abschnitte begrenzt, den Abschnitte 32 (Mitte), zu dem auch die Gebiete um die Friedrichstraße und den Alexanderplatz gehören sowie der Abschnitt 53 (Kreuzberg). Dort sieht die Polizei erhöhtes Konfliktpotenzial. 20 Beamte wurden für den Umgang mit den Waffen geschult.

Als Schusswaffe eingeordnet

Den Testlauf mit den in Deutschland umstrittenen Tasern hatte Ex-Innensenator Frank Henkel (CDU) noch 2016 angestoßen. Bisher verfügten in Berlin nur Spezialeinsatzkräfte über diese Waffen. Aus bisherigen Statistiken geht hervor, dass sie vor allem bei Suizid-Absicht eingesetzt wurden. Die bisherigen Erfahrungen beschrieb die Polizei als positiv.

Taser werden in der Hauptstadt rechtlich weiterhin als Schusswaffe eingeordnet. Damit sei ihr Anwendungsbereich relativ stark beschränkt, kritisierte ein Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP). Diese Einordnung widerspreche dem Sinn, für Beamte die Lücke zwischen Pfefferspray und Schusswaffe zu schließen. Im Gegensatz zu Schlagstock und Pfefferspray wirkt der Einsatz des Tasers auch bei Personen, die eine hohe Schmerztoleranzgrenze haben. Das sind zum Beispiel Personen, die unter dem Einfluss von Drogen stehen.

50.000 Volt

Eingesetzt werden kann der Taser aus Entfernungen von bis zu 7,60 Meter, optimal sind 2,50 bis 4 Meter. Ein Laserpunkt hilft beim Zielen. Bei den pistolenähnlichen, manchmal farbigen Geräten werden mittels Gasdruck Pfeile verschossen, die über dünne Drähte mit der Waffe verbunden sind. Darüber fließt Strom mit etwa 50.000 Volt. Bei neueren Modellen können zwei Kartuschen mit Pfeilen abgegeben werden, falls man beim ersten Versuch nicht trifft.

Der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Marcel Luthe, warnte, auch Taser könnten schwerste Verletzungen und sogar den Tod hervorrufen. Dennoch sei der Versuch richtig. „Ich vertraue darauf, dass der Einsatz ebenso sparsam und verantwortungsvoll erfolgt wie der Schusswaffeneinsatz bei der Berliner Polizei“, erklärte Luthe.

Gefährlich können die Elektroschocker vor allem für Herzkranke werden. Beamte müssen zudem darauf achten, dass sich der Angreifer bei einem Sturz nach einem Taser-Einsatz für verletzen kann und dass die Pfeile nicht durch dicke Kleidung dringen können.

Test entscheidet über flächendeckende Einführung

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Burkard Dregger, betonte, ein Test sei überhaupt nicht nötig. „Dass die Polizei Taser braucht, ist offensichtlich“, sagte er. „Wer gegen den Taser ist, ist für die Schussabgabe mit einer 9-Millimeter-Waffe.“ Polizisten bräuchten eine Alternative, die zwischen Pfefferspray und möglicherweise tödlichem Schuss liege.

Teils tödliche Polizeischüsse auf verwirrte Angreifer haben in Berlin zuletzt mehrfach zu Debatten über Taser geführt. Ob die Waffen flächendeckend eingeführt werden, soll nach den Erfahrungen der kommenden drei Jahre entschieden werden. (dpa/BLZ)