Naja, etwas besser sei es geworden mit der Kriminalität, meint ein Imbissverkäufer am Kottbusser Tor am Dienstagmittag. Aber nur, wenn die Polizei vor Ort sei. Ansonsten sei man schon froh, wenn es nicht täglich zu Schlägereien komme. Diese Erfahrungen relativieren interne Zahlen der Polizei, die einen spürbaren Rückgang der Kriminalität belegen. Wie berichtet, betrifft der Rückgang drei besonders belastete Orte in Friedrichshain-Kreuzberg: das Kottbusser Tor, die Gegend um die Warschauer Brücke und den Görlitzer Park. Alles Touristen-Hotspots, die Kriminelle besonders anziehen.

Der Imbissverkäufer vom Kotti, der seinen Namen nicht nennen will, widerspricht dieser Einschätzung. Auch Leila Atrache vom örtlichen Quartiersmanagement sagt: „Weniger geworden ist hier gar nichts, das sagen viele Händler hier vor Ort.“ Weiterhin warteten täglich Gruppen junger Männer vorwiegend aus Nordafrika am Kotti auf Drogenkundschaft.

Wachschutz ist wieder weg

„Im Sommer, als die Polizeipräsenz hoch war und die drei hiesigen Vermieter noch einen extra Wachschutz bezahlt haben, waren die Dealer weg.“ Sie seien vor allem in Richtung Wassertorplatz ausgewichen. Inzwischen, so die Quartiersmanagerin, sei der Wachschutz verschwunden und die Polizei komme wieder seltener. Die Konsequenz: Dealer und andere Kriminelle seien wieder da.

Mehr Polizei auf der Straße und zwar dauerhaft, so lautet die Forderung von Politikern der neuen Koalition. Der Innenexperte der SPD Tom Schreiber sagt, es sei zwar gut, wenn an bestimmten Orten Straftaten zurückgedrängt würden. Aber: „Zur Ehrlichkeit gehört auch, dass durch die erhöhte Präsenz an einem Ort Kriminelle wie traumwandlerisch an andere Orte ausweichen.“ Darüber gebe es keinerlei Erhebungen.

Im Koalitionsvertrag des rot-rot-grünen Senats spielt das Thema Sicherheit eine wichtige Rolle. Erreicht werden soll sie unter anderem durch mehr Polizeipräsenz und durch mobile Wachen an bestimmten belasteten Orten. Schreiber: „Wir sollten dabei aber nicht die Fehler des bisherigen Innensenators Henkel wiederholen und die dafür benötigten Beamten aus den bestehenden Polizeiabschnitten abziehen.“ Es müsse wirklich neues Personal ausgebildet werden, neue Stellen dürften nicht länger nur auf dem Papier stehen.

Auch Benedikt Lux, der Grünen-Innenexperte, fordert eine stetige Polizeipräsenz. „Gerade für das Kottbusser Tor haben wir und die dortigen Gewerbetreibenden dies von Senator Henkel eingefordert.“ Man dürfe jetzt nicht nachlassen, die Präsenz müsse hochgehalten werden. Nur so könnten die Beamten schnell auf Straftaten reagieren. Das Kottbusser Tor könnte laut Benedikt Lux solch ein Ort sein, wo eine mobile Polizeiwache sinnvoll wäre.

„Sicherheitskonferenz“ geplant

Auch im Rathaus von Friedrichshain-Kreuzberg ist die Sicherheit an den bekannten und berüchtigten Hotspots ein Dauerthema. Bürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) sagt, vor allem am Kotti könne von Entspannung noch keine Rede sein. Besonders an Wochenenden sei spürbar, das verstärkt mit Drogen gehandelt wird. Prügeleien und Raubtaten gehörten dazu. Der Kotti ist laut Herrmann anders als der Görlitzer Park: „Der Görli wird vor allem im Sommer besucht, der Kotti das ganze Jahr über.“

Für Anfang kommenden Jahres strebt das Bezirksamt, das im Dezember gewählt werden soll, eine Art „Sicherheitskonferenz“ für Friedrichshain-Kreuzberg an, wo es besonders viele Touristen-Hotspots und damit verbunden auch eine hohe Kriminalitätsrate gebe. Beim künftigen Innensenator Andreas Geisel (SPD), dem die Situation vertraut sei, stoße man damit auf offene Ohren. Herrmann: „Wir müssen auch ein Personalkonzept für Kombiwachen und mobile Wachen erarbeiten, damit diese rund um die Uhr besetzt sein können.“