Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik stellt bei einem Pressegespräch die Kriminalstatistik 2019 vor.
Foto: dpa/Paul Zinken

BerlinMehr Morde, mehr Drogendelikte und mehr Sexualstraftaten. Das sind die Erkenntnisse der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2019 für die Hauptstadt, die am Montag von Innensenator Andreas Geisel (SPD) und Polizeipräsidentin Barbara Slowik im Roten Rathaus vorgestellt wurde.

Auch die Gesamtzahl aller von der Polizei registrierten Verbrechen (51.3426) lag um 0,3 Prozent höher als im Jahr 2018. „Nur wenn wir uns realistisch mit der Kriminalität auseinandersetzen, können wir sie auch wirksam bekämpfen“, sagte Slowik dazu am Montag.

Sexual-Straftäter zu rund 95 Prozent männlich

Die Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wie Vergewaltigung, sexuelle Belästigung und Kinderpornografie nahmen um 15 Prozent zu (4809 Fälle). Dazu heißt es in der PKS: „Zu den Sexualdelikten wurden insgesamt 2857 Tatverdächtige ermittelt. 95,7 Prozent davon waren männlich, 36,6 Prozent hatten nicht die deutsche Staatsangehörigkeit“. Der Anteil der Tatverdächtigen unter 21 Jahren in diesem Deliktbereich betrug 25,2 Prozent.

Im Bereich Mord und Totschlag wurden 106 Fälle registriert. Darin enthalten sind auch 65 Fälle von versuchten Tötungen. „Es wurden 173 Tatverdächtige ermittelt, darunter 80 Nichtdeutsche“, heißt es in der PKS. Und weiter: „Von den 173 Tatverdächtigen waren 157 männlichen Geschlechts und 19 Tatverdächtige unter 21 Jahre alt.“

Ausgewählte Straftaten in Berlin 2019, Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2019
Grafik: Berliner Zeitung/Hecher

Kaum Veränderungen bei Aufklärungsquote

Einen weiteren Anstieg gab es im Vergleich zum Vorjahr zudem bei Kriminalität, die mit Hilfe des Internets begangen wurde (39.988 Fälle, plus 26,7 Prozent). Meistens ging es um Betrug. Einen Rückgang gab es dagegen bei Taschendiebstählen (17.738 Fälle), Ladendiebstahl (34.718 Fälle) und Fahrraddiebstählen (28.711 Fälle). Gleichzeitig wurden mehr Einbrüche in Wohnungen und Keller angezeigt.

Berlin ist immer noch Schlusslicht bei der Verbrechensaufklärung. Das ist unterirdisch.

Burkard Dregger, Vorsitzender der CDU-Fraktion

Auch bei den Drogendelikten erfasste die Polizei deutlich mehr Taten (18.950 Fälle) als noch im Vorjahr. Innensenator Geisel nannte diese Zahlen „erfreulich“, weil es zeige, dass die Polizei stärker kontrolliere und Drogenhändler fasse.

Die Aufklärungsquote aller Straftaten veränderte sich im Vergleich zum Vorjahr nur minimal um 0,3 Prozent nach oben und liegt damit bei 44,7 Prozent.

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Kritik von der Opposition

„Wir sind die Hauptstadt, in der nicht nur 3,7 Millionen Menschen leben, sondern die auch jährlich von 14 Millionen besucht wird. Dass es da leider auch Raum für Kriminalität gibt, ist keine neue Erkenntnis. Dennoch zeigen die Zahlen, dass in Berlin kein Sodom und Gomorrha herrschen“, so Norbert Cioma, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Die „steigende Gewalt in unserer Stadt“ sei aber dennoch „ein klares Zeichen“, so Cioma weiter. Daher brauche Berlin „mehr Präsenz im öffentlichen Raum, denn Straftaten werden eher weniger begangen, wenn ein Polizist direkt daneben steht“.

FDP-Innenexperte Marcel Luthe sieht die Zahlen etwas kritischer: „Rund 20 Prozent mehr Fälle von besonders schwerer Vergewaltigung und erneut über zehn Prozent mehr Raubüberfälle  sprechen eine deutliche Sprache. Berlin brauche „dringend mehr objektive Sicherheit im öffentlichen Raum und keine zeitraubenden PR-Kampagnen des Innensenators auf Kosten der Polizei“.

Und die CDU erklärte: „Berlin ist immer noch Schlusslicht bei der Verbrechensaufklärung. Das ist unterirdisch und trägt nicht dazu bei, das Sicherheitsgefühl der Berliner zu verbessern“.