Berlin - Wegen der stark gestiegenen Einbruchszahlen in Berlin will Innensenator Frank Henkel (CDU) mehr Polizeibeamte auf die Straße schicken. In den besonders betroffenen Gebieten müsse die polizeiliche Präsenz gestärkt werden, sagte Henkel am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses bei der Vorstellung des Kriminalitätsatlasses 2011 für die vergangenen beiden Jahre. Der „Kiezatlas“ gibt an, wie stark die 95 Berliner Ortsteile im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl belastet sind.

Bei entsprechenden Anzeichen sollten künftig gezielter spezielle Observationskräfte der Polizei eingesetzt werden, sagte Henkel. „Die Durchführung solcher operativen Tage, wie ich sie nenne, sind zentrale Bestandteile meiner Strategie.“

Bei den Wohnraumeinbrüchen waren Verbrecher 2011 besonders häufig in Tiergarten, Mitte und im Hansaviertel unterwegs, so die Autoren des Kriminalitätsatlasses. Nach Angaben der Polizei hat das etwas mit den vielen Touristen zu tun: Durch die hohe Fluktuation fielen Einbrecher nicht auf. Zudem seien viele Wohnungen nur unzureichend gesichert - etwa in Gesundbrunnen.

Wohnraumeinbrüche drastisch gestiegen

Aber auch die Ortsteile am Stadtrand seien betroffen - etwa Grunewald oder Dahlem. Dies habe mit der geringen Bevölkerungsdichte, den vielen noblen Villen und der nahe gelegenen Avus zu tun. Hier seien vor allem professionelle Banden auf Tour. Insgesamt stieg die Zahl der Wohnraumeinbrüche 2011 um rund 26 Prozent auf gut 11000.

Henkel zufolge sollen Polizei und Staatsanwaltschaft künftig auch besser bei der Bekämpfung von Einbrecherbanden zusammenarbeiten. Laut Behörde kümmerten sich fortan Staatsanwälte für die Organisierte Kriminalität (OK) um die Bearbeitung der Fälle mit reisenden Banden. Viele der Täter kommen vor allem aus dem Osten - etwa Rumänien, Bulgarien, Polen oder dem Balkan.

„Es gibt in Berlin keine No-Go-Areas!“

Wegen des Problems mit reisenden Banden habe er die rumänischen und bulgarischen Botschafter in Deutschland angeschrieben, sagte Henkel. In den Briefen habe er Hospitationen von ausländischen Polizisten bei der Hauptstadtpolizei angeregt. Eine Rückmeldung gebe es noch nicht.

Laut Bericht gab es die meisten Verbrechen 2011 im Verhältnis zur Einwohnerzahl in Tiergarten, Mitte und Spandau. Für belastete Regionen gebe es häufig nachvollziehbare strukturelle Erklärungen, sagte die amtierende Polizeipräsidentin Margarete Koppers. Eine dramatische Häufung oder gravierende Entwicklungen zeichne sich nicht ab. „Es gibt in Berlin keine No-Go-Areas!“

Die Autoren gehen im Bericht auf einzelne Delikte ein, die etwa der Straßenkriminalität angehören und bei denen der exakte Tatort erfasst werden konnte. „Der Kriminalitätsatlas ist ein Werkzeug, damit wir Kriminalität besser verstehen und bekämpfen können“, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. „Er ist ein Hilfsmittel für alle, die sich um Sicherheit und Lebensqualität in unserer Stadt kümmern.“ (dpa)