Der Einbruch war nicht nur spektakulär. Er steht für ein Phänomen, das im vergangenen Jahrzehnt sichtbar wurde: die Kriminalität arabischer Clans.
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BerlinHundert Kilo, 53 Zentimeter Durchmesser, 999er-Feingold, 3,7 Millionen Euro wert: Das sind die Daten einer Münze, der Big Maple Leaf, die Einbrecher 2017 aus dem Bode-Museum stahlen. Der Einbruch war nicht nur spektakulär. Er steht für ein Phänomen, das im vergangenen Jahrzehnt sichtbar wurde: die Kriminalität arabischer Clans. Drei Mitglieder einer solchen Großfamilie stehen derzeit wegen des Münz-Diebstahls vor Gericht.

Lange spielten Clans in der öffentlichen Wahrnehmung keine Rolle. Die ersten Großfamilien wanderten in den 70er-Jahren als libanesische Kriegsflüchtlinge ein. Von Beginn an lebten viele Mitglieder von Diebstahl, Einbruch oder Raub. Später kamen Drogengeschäfte dazu. Begünstigt wurde das durch ein anfängliches Arbeitsverbot und falsche Integrationspolitik. Weil die Familien für die Behörden nicht existierten, konnten sie abgeschottete Strukturen bilden: Täter werden vom Familienverband gedeckt, Konflikte ohne den Staat per Paralleljustiz gelöst, Zeugen eingeschüchtert. Trotz einzelner warnender Stimmen blieben Clans unter dem öffentlichen Radar, Politik und Medien schwiegen, um nicht ausländerfeindlich zu wirken.

Die Frechheit der Kriminellen

Inzwischen kommen Politik und Öffentlichkeit nicht mehr an den Clans vorbei, die die freiheitliche Grundordnung bedrohen, wie Innensenator Andreas Geisel (SPD) formuliert. Denn arabische Clans, von denen in Berlin, Essen und Bremen ein Dutzend polizeibekannt sind, sorgen für Schlagzeilen: ein Überfall auf Deutschlands größtes Pokerturnier 2010 am Potsdamer Platz. Ein Überfall auf einen Juwelier im Kaufhaus des Westens mitten im Weihnachtsgeschäft 2014. Die Sprengung einer Bankfiliale in Mariendorf im selben Jahr. Ein Überfall auf einen Geldtransporter am Alexanderplatz 2018.

Das öffentliche Interesse sei durch die Frechheit der Kriminellen gekommen. „Ihre Arroganz hat ein riesiges Ausmaß erreicht“, sagte der Islamwissenschaftler Ralph Ghadban dieser Zeitung. „Einen Angriff auf das KaDeWe oder den Diebstahl einer 100-Kilo-Münze kann man nicht übersehen. Und wenn die Medien darüber berichten, hat das Einfluss auf die Politik.“ Seit zwei Jahren reagiert der Staat. Um Geldwäsche der Clans aufzudecken, kontrollieren Polizei, Finanz- und Ordnungsämter Wettbüros und Shisha-Bars. 2018 wurden 77 Immobilien beschlagnahmt, die wohl mit kriminell erworbenem Geld gekauft sind. „Für kriminelle Clanmitglieder soll es ungemütlich werden“, sagt Polizeichefin Barbara Slowik.