Kriminalität in Berlin: Diebe greifen in Berlin immer öfter zu

Die gute Nachricht zuerst: Auf den Straßen Berlins, in Bussen und Bahnen ist es friedlicher geworden. Glaubt man der Kriminalitätsstatistik für 2013, die am Montag vorgestellt wurde, dann ging die Zahl von Mord und Totschlag um 27,9 Prozent zurück. Die Zahl der schweren und gefährlichen Körperverletzungen sank um 7,1 Prozent, Raubtaten gingen um 3,1 Prozent zurück.

Die schlechte Nachricht: Es gab viel mehr Diebstähle als im Vorjahr. Eigentumsdelikte machen fast die Hälfte aller 503.165 erfassten Straftaten aus – und drücken die Gesamtstatistik wieder über eine halbe Million. Hier zählte die Polizei ein Plus von 13.267 Fällen, was einen Anstieg um 6,2 Prozent ausmacht.

Darin enthalten ist ein besonders drastischer Anstieg beim Autodiebstahl, nachdem die Zahlen im Vorjahr zunächst gesunken waren. 6659 Autos kamen in Berlin weg. Osteuropäische Tätergruppen haben es vor allem auf Audi, Range Rover und in letzter Zeit auch auf Mazda abgesehen. Bei festgenommenen Autodieben konnte die Polizei moderne Diebstahlwerkzeuge zum Überwinden elektronischer Wegfahrsperren beschlagnahmen. Darunter waren auch Funkblocker, sogenannte Jammer. Mit diesen Störsendern können die Täter unbemerkt das Verschließen der Fahrzeuge verhindern, wenn Autofahrer ihre Fernbedienung betätigen. Berlin ist in dieser Hinsicht ein bevorzugtes Tätigkeitsfeld der Banden, wegen der hohen Konzentration teurer Autos und der Nähe zu Polen.

Täter stehlen Navis

Mittlerweile wird jeden Tag in durchschnittlich 60 Autos eingebrochen. Mit 21.874 geknackten Autos verzeichneten die Statistiker einen besonders deutlichen Anstieg– nämlich um 22,6 Prozent. In mehr als der Hälfte der Aufbrüche entwendeten die Täter – die ebenfalls oft Jammer benutzten – mobile oder festeingebaute Navigationssysteme. Auch diese Tätergruppen kommen aus dem osteuropäischen Raum, weshalb Polizeipräsident Klaus Kandt bei der Vorstellung der Statistik eine stärkere Polizeipräsenz auf den Straßen und eine bessere Vernetzung mit den osteuropäischen Polizeibehörden versprach.

Rasant gestiegen ist zudem die Zahl der Taschendiebstähle. Vor allem Touristen sind die Opfer. 40 Prozent der ermittelten Täter sind rumänische oder bulgarische Staatsbürger. Der Anteil von Kindern und Jugendlichen, die meist von ihren Eltern und organisierten Banden zum Stehlen geschickt werden, nahm von 13,8 auf 17,3 Prozent zu.

„Der gestiegene Anteil Nichtdeutscher unter den Tatverdächtigen ist darauf zurückzuführen, dass es sich um reisende Tätergruppierungen handelt“, sagte Polizeipräsident Klaus Kandt. Um diesem Phänomen Herr zu werden unterzeichnete die Berliner Polizei mit Rumänien und Bulgarien kürzlich ein Abkommen: Polizisten aus diesen Ländern sollen ihre Berliner Kollegen bei der Fahndung nach Dieben und Einbrechern unterstützen.

Zur Rubrik Diebstahl gehört auch Wohnraumeinbruch. Hier sank die Gesamtzahl um 725 Fälle. Laut Polizei ist dies das Ergebnis einer stärkeren Verfolgung der Täter. Berlin und Brandenburg richteten eine gemeinsame Ermittlungsgruppe ein, weil Einbrecher nicht vor der Stadtgrenze stoppen. Die örtlichen Direktionen schufen Einbruchskommissariate, deren Fahnder Jagd auf die Täter machen. Nicht zuletzt zahlt sich die Beratungsarbeit der Polizei aus: Bürger schützen sich besser, weshalb immer mehr Einbrüche an Alarmanlagen oder sicheren Türen scheitern.

Außerdem sind die Bürger aufmerksamer geworden und zeigen schneller Einbrecher an. Den sinkenden Zahlen bei Wohnungseinbrüchen stehen allerdings weiter leicht gestiegene Zahlen an Einbrüchen in Einfamilienhäusern entgegen. Zudem bleibt die Aufklärungsquote niedrig: bei 7,3 Prozent. Diese niedrige Erfolgsquote bei Eigentumsdelikten drückt auch die Aufklärungsquote der Gesamtstatistik.

Für Innensenator Frank Henkel (CDU) ergibt die Statistik angesichts des erneuten Kriminalitätsanstiegs ein differenziertes Bild. „Aber wir haben deutliche Fortschritte erzielt in Bereichen, die mir politisch besonders wichtig sind: „Dem Kampf gegen Jugendgewalt, der Senkung der Einbruchszahlen, dem Kampf gegen kriminelle Strukturen. Und wir haben die Sicherheit im ÖPNV verbessert.“

Der Rückzug der Gewalt aus dem öffentlichen Raum sei der stärkeren Polizeipräsenz zu verdanken. Für die Gewerkschaft der Polizei liest sich die Statistik dagegen „als Versagensbericht des Berliner Senats“: Der Anstieg der Kriminalität sei ein Zeichen dafür, dass die Sparpolitik der Politiker in dieser Stadt völlig verfehlt sei.

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