Einbrecher sind erfinderisch. Im Berliner Umland verwenden sie neuerdings einen Gasbrenner für ihre Taten. Damit brennen sie in den Kunststoffrahmen von Terrassentüren ein Loch, schieben einen Draht hindurch und öffnen damit die Schließmechanik. Die Einbrecher gelangen leise und schnell ins Haus. Dabei sind sie nicht etwa mit einer riesigen Gasflasche unterwegs. Sie haben einen Minibrenner dabei, wie man ihn etwa zum Zubereiten einer Creme Brulee verwendet.

Mit einer ähnlichen Masche, die in Berlin noch nicht weit verbreitet ist, gingen Einbrecher in den vergangenen Wochen im Treptower Ortsteil Bohnsdorf vor.

Mehr als 12.000 Einbrüche in Wohnraum verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr in der Hauptstadt. Hier gehen die Täter zwar weniger einfallsreich, aber mindestens genauso effektiv vor. „Oft führt einfache brachiale Gewalt zum Erfolg“, sagt Jens Fritsch von der Beratungsstelle Einbruchsschutz der Berliner Polizei. „Das Gros der Einbrecher, die in Wohnungen einsteigen wollen, hebelt die Eingangstüren auf“, erklärt der Kriminalhauptkommissar. Üblicherweise benutzen die Täter dabei einen Schraubendreher oder einen kleinen Kuhfuß. Bei Kassettentüren reiche oftmals ein Tritt, der die Tür an der dünnsten Stelle bersten lasse. „So etwas ist nicht dicker als ein Frühstücksbrettchen“, sagt der 50-jährige Einbruchsschutz-Experte.

40 Prozent der Täter scheitern

Deshalb rät die Polizei, die Tür einbruchshemmender zu gestalten. Stahlblech oder Holz können die Eingangsbereiche von innen verstärken. Außerdem ist die Montage von Zusatzschlösser möglich. Wichtig ist zudem, dass die Wohnungstüren auch auf der Seite der Scharniere sicher sind. „Dem Einbrecher ist es egal, welche Seite der Tür er aufhebelt“, erklärt Fritsch.

Er berät mit seinen Kollegen am Platz der Luftbrücke, wie man Türen, Fenster und Terrasseneingänge am besten schützen kann und welche Schlösser es gibt. Wenn der Experte ins Reden kommt, dann fallen schon Begriffe wie Stangenschloss, Hintergreifhaken, Bandseitensicherung, Pilzkopfverriegelung oder Abreißwiderstand. Fritsch kann sie gut erklären. Er hat in der Beratungsstelle alle möglichen Fenster, Türen und Schlösser, an denen er die neueste und auch sinnvollste Sicherheitstechnik demonstriert.

Der Polizist verweist darauf, dass 40 Prozent der Einbrecher bei der Tat scheitern. Die Zahl sei in letzter Zeit stabil geblieben, sagt er. Und sie zeige auch, dass es kein gottgegebenes Schicksal sei, Opfer eines Einbruchs zu werden. Die Erfahrung belege, dass die Täter im Schnitt nach fünf Minuten von ihrem Vorhaben ablassen, wenn sie bis dahin die Tür nicht aufbekommen haben. Dann werde das Entdeckungsrisiko zu groß. „Man muss also seine Türen und Fenster so ausrüsten, dass sie einige Minuten standhalten“, sagt Fritsch.

Ein Haus ist schwerer zu schützen

Viel komplexer als eine Wohnung ist der Schutz eines Hauses. „Eingangstür, Terrassentür, die Fenster im Erdgeschoss, die Kellertür – auf all das muss ich als Hausbesitzer einen Blick haben“, sagt Fritsch. 80 Prozent der Täter kommen nach seinen Angaben nicht durch die Hauseingangstür, sondern von hinten. „Daher sollte man die Terrasse nicht durch eine meterhohe Hecke vor den Blicken der Nachbarn verbergen“, sagt der Kriminalist.

Durch guter Nachbarschaft lasse sich die Wahrscheinlichkeit senken, Opfer eines Einbruchs zu werden. „Es gut, wenn die Nachbarn aufeinander achten“, so Fritsch. „Hilfreich ist es, bei jemandem, der im Urlaub ist, die Post raus zu nehmen. Ein überquellender Briefkasten signalisiert: Hier ist keiner zu Hause.“

Auch Rollläden können einbruchshemmend sein, wenn sie aus Holz oder Aluminium sind und eine Hochschiebesicherung besitzen. „Eine heruntergelassene Jalousie hält den Einbrecher auf“, sagt er. Jedoch müsse man auch beachten, dass man eigentlich jedes Mal, wenn man sein Haus verlässt, die Jalousien herunterlassen müsste. Das mache niemand. „Wir raten daher, sich lieber auf einbruchshemmende Fenster und Türen zu konzentrieren.“ Hinzu kommt, dass eine heruntergelassene Jalousie durchaus auch eine verhängnisvolle Wirkung haben kann. „Sie signalisiert: Hier ist niemand zu Hause.“

Nicht den Helden spielen

Und Fritsch hat auch Tipps, wie man sich verhalten soll, wenn man einen Einbrecher auf frischer Tat ertappt: „Niemals den Helden spielen.“ Der Täter stehe unter Adrenalin und wolle, so er erwischt wird, nur weg. Er habe möglicherweise noch das Einbruchswerkzeug zur Hand. „Man sollte Distanz wahren und ihm die Flucht ermöglichen“, sagt Fritsch.

Die Beratungsstelle Einbruchsschutz bietet in ihren Räumen am Platz der Luftbrücke eine kostenlose Beratung an. Mitarbeiter sind zudem jeden Tag in der Hauptstadt unterwegs und beraten vor Ort. Eine Beratung dauert ein bis zwei Stunden, sie ist für Besitzer von Einfamilienhäusern aber auch Bewohner von besonders gefährdeten Wohnungen möglich – kostenlos. „Bei allen Beratungen vor Ort werden Protokolle angefertigt, in denen unsere Empfehlungen mit den Fachbegriffen stehen. Wir arbeiten dabei produktneutral“, sagt Fritsch.

Von dem Angebot, das seit 2012 kein Geld mehr kostet, wird rege Gebrauch gemacht. „Interessenten müssen derzeit Wartezeiten von etwa zwei Monaten in Kauf nehmen.“ Der Kriminalkommissar sagt, dass man es den Einbrechern schwer machen könne. „Aber einen hundertprozentigen Schutz vor ihnen gibt es nicht.“