Berlin - Der 26-jährige Shaban S. saß am Dienstagabend seelenruhig am Tresen einer Bar in der Franklinstraße in Charlottenburg und sah sich im Fernsehen das Europameisterschaftsspiel England gegen die Ukraine an. Er fühlte sich sicher und bemerkte deshalb nicht, dass gegen 22.30 Uhr Polizisten das Lokal betraten. Er wurde festgenommen und abgeführt. Mittlerweile sitzt der Albaner in Untersuchungshaft. Die Gullydeckelbande hat sich nun komplett erledigt. Monatelang hatte die Polizei versucht, die Männer zu fassen.

Männer agierten bundesweit

Shaban S. war bis zum Dienstag Boss einer Einbrecherbande. Ihm unterstanden bis vor Kurzem 25 Männer aus unterschiedlichen Staaten, alle zwischen 19 und 26 Jahre alt. Die Männer sind in Berlin gemeldet, agierten aber bundesweit. Polizei und Staatsanwaltschaft werfen den Mitgliedern der Clique vor, in Elektronikgeschäfte, Tabakläden, Juweliere und Tankstellen eingebrochen zu sein.

Die Männer werden als Intensivtäter geführt. Sie erbeuteten unter anderem Briefmarken, Zigaretten, Smartphones, Computer, Musikanlagen und Notebooks. Der Wert ihrer Beute betrug mehr als 300.000 Euro. Die Polizei nannte sie Gullideckelbande, weil sie bei einer Vielzahl von Einbrüchen Gullydeckel nutzten, um Türen und Schaufenster einzuschlagen. Mehrfach hatten sich dabei auch Täter verletzt, als ihnen die 35 Kilo schweren Gullideckel aus den Händen rutschten – sie erlitten Knochenbrüche.

Die Ermittler waren der Bande bereits seit März auf der Spur. Auffällig bei den Tätern war, dass sie bei ihren Raubzügen in hochwertigen Autos unterwegs waren. Die Männer hatten die Fahrzeuge zuvor unter falschem Namen angemietet. Es sollten schnelle Wagen sein, um rechtzeitig von den Tatorten verschwinden zu können.

So liehen sie sich Mercedes Benz der S-Klasse, Audi A8 sowie 7er BMW. Einmal wurden sie beobachtet, als sie mit 200 Stundenkilometern über die Stadtautobahn rasten. Nach einem Einbruch in Steglitz wurde zudem eines der Fahrzeuge von einer Verkehrsstreife angehalten. Doch den Fahrer störte es nicht, dass einer der Polizisten seine Waffe zog und zur Warnung in die Luft feuerte. Er gab Gas und konnte entkommen.

Nach umfangreichen Ermittlungen auch in der einschlägigen Szene stießen die Fahnder schließlich auf einige der Männer. Nach tagelangen Observationen durchsuchten Polizisten am 6. Juni dieses Jahres 22 Wohnungen sowie Läden in der Stadt und verhafteten dabei sechs Männer, die der Bande angehört haben sollen. Anführer Shaban S. war allerdings nicht dabei.

Er war vor der Razzia untergetaucht. Einzelheiten nannten die Sicherheitsbehörden nicht. Es hieß lediglich, dass ihn schließlich Zielfahnder ausfindig machten.

Senator will mehr Kooperation

Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) sprach sich nach der Festnahme des Bandenchefs für eine weitere verstärkte Kooperation zwischen Polizei und Justiz bei der Bekämpfung der Einbrüche aus. Im März dieses Jahres hatte Heilmann die „Lagekonferenz Wohnungseinbrüche“ initiiert, die sich mit verschiedenen Tätergruppen bei Einbrüchen beschäftigte. Heilmann kündigte an, die Kooperation weiterzuführen, um die Zahl dieser Straftaten spürbar zu senken.