Kriminalität in Berlin: Vergewaltigung: Verdächtige stellen sich

Berlin - Wenige Stunden nach der Veröffentlichung von Fahndungsfotos haben sich drei mutmaßliche Vergewaltiger der Polizei gestellt. Mohamad El-S., Can D. und Amir H. erschienen am Dienstagabend gegen 22.30 Uhr im Polizeiabschnitt 34 in Alt-Moabit und sagten, dass sie diejenigen seien, die auf den Fotos zu sehen sind. Eine Rechtsanwältin begleitete sie. Die drei wurden festgenommen und zunächst in die Gefangenensammelstelle gebracht.

Die jungen Männer, die 17, 18 und 19 Jahre alt sind, werden verdächtigt, am 3. Juni 2011 eine 20-jährige Frau auf einem Spielplatz in der Silbersteinstraße in Neukölln vergewaltigt zu haben. Zuvor sollen die Verdächtigen die junge Frau auf dem U-Bahnhof Herrmannstraße sexuell belästigt, beleidigt und genötigt haben, Alkohol zu trinken. Dabei wurden sie von Überwachungskameras gefilmt.

Tatort Spielplatz

Die Frau und die jungen Männer verließen zusammen gegen 1.45 Uhr den U-Bahnhof und gingen zum Spielplatz. Dort kam es zunächst zu Vertraulichkeiten zwischen ihr und einem der Verdächtigen. Die Frau soll ausgesagt haben, sie habe einen der Männer ganz nett gefunden, und weil sie Streit mit ihrem ehemaligen Freund hatte, habe sie sich auf eine Liebelei eingelassen. Kurz darauf stürzten sich die anderen auf die Frau und missbrauchten sie. Das Opfer zeigte die Täter bei der Polizei an. Ein Richter genehmigte unverzüglich die Archivierung der Kopien der Fotos aus der Überwachungskamera am Bahnhof. Das war nötig, weil laut Gesetz die Originalfotos damals noch nach 24 Stunden gelöscht werden mussten.

Wegen der erlittenen seelischen Verletzungen sei die junge Frau lange Zeit nicht in der Lage gewesen über die Tat zu reden, sagen Polizisten. Das habe die Ermittlungen in die Länge gezogen. Die Analyse der an der Kleidung der Frau sichergestellten DNA-Spuren brachte zudem keinen Erfolg. Wie in solchen Fällen üblich, waren die DNA-Spuren mit denen, die im Zentralrechner des Bundeskriminalamtes gespeichert sind, verglichen worden. Die Verdächtigen sind wegen Diebstahls und Körperverletzung bekannt.

Inzwischen haben die Ermittlungen ergeben, dass sich das Opfer auf dem U-Bahnhof zunächst locker mit ihren späteren Peinigern unterhielt. Deshalb, so die Polizei, seien die Bilder aus der Überwachungskamera auch nicht auffällig gewesen. Passanten seien auch nicht stutzig geworden und hätten eingegriffen. Es war eine Gruppe junger Leute zu sehen, die sich augenscheinlich gut verstand, hieß es. Was offenbar nicht stimmte – denn die Frau hatte der Polizei später erklärt, dass sie vor den Männern Angst hatte. Die Ermittler haben keine Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussagen der Frau.

Am Mittwochnachmittag sollten die Verdächtigen vernommen werden. Ausgesagt haben sie bisher nicht. Sie sollen einem Richter vorgeführt werden.