Berlin - Die stark gestiegene Zahl der Einbrüche in Berlin wird für die Polizei immer mehr zum Problem. Bereits im vergangenen Jahr verzeichnete die Statistik einen rasanten Anstieg. Auch in der ersten Hälfte dieses Jahres gab es einen Anstieg um 12,9 Prozent.

„Die Bekämpfung dieser Taten muss Priorität haben“, sagte Innensenator Frank Henkel (CDU) am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Bei Wohnungseinbrüchen waren die Täter besonders oft in Gesundbrunnen und neuerdings auch im Hansaviertel in Tiergarten unterwegs. Das geht aus dem neuen Kriminalitätsatlas für die vergangenen zwei Jahre hervor, der im Innenausschuss vorgestellt wurde. Er soll Bezirken und Stadtplanern als Arbeitsgrundlage für kommunale Planungen dienen.

Diesem Atlas lässt sich entnehmen, wie stark die 95 Berliner Ortsteile im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl mit Kriminalität belastet sind. „Der Atlas soll Grundlage für die sachliche Bewertung der Sicherheitslage und ein Angebot sein für offene und hoffentlich fruchtbringende Diskussionen“, sagte Polizei-Vizepräsidentin Margarete Koppers bei der Vorstellung des Zahlenwerks.

Schlecht gesicherte Türen

Dass es in Tiergarten und Mitte so viele Wohnungseinbrüche gibt, erklärt sich die Polizei unter anderem damit, dass verdächtige Personen aufgrund der touristischen Attraktivität und der damit verbundenen hohen Fluktuation kaum auffallen. Die vielen Einbrüche in Gesundbrunnen haben nach Einschätzung der Experten mit der dichten Wohnbebauung zu tun und damit, dass oft die Wohnungstüren schlecht gesichert sind. Zudem gibt es wenig Sozialkontrolle durch Nachbarn oder Hausmeister.

Von Einbrechern heimgesucht werden immer öfter auch Einfamilienhäuser. Nach Erkenntnissen der Polizei handelt es sich bei den derzeit agierenden Banden meist um reisende Täter, die nur kurz in der Stadt sind und wieder verschwinden, sobald sie Beute gemacht haben. Sie operieren international, stammen meist aus Rumänien, Bulgarien und dem früheren Jugoslawien. Ein Schwerpunkt sind Dahlem und Grunewald, wo vermögende Eigentümer wohnen und wo man als Einbrecher schnell über die Avus entkommt. Auch in Mahlsdorf oder Biesdorf, wo viele neue Einfamilienhäuser entstanden, gab es bei Einbrüchen Zunahmen über dem Gesamtberliner Durchschnitt. Die Polizei reagierte darauf nach eigenen Angaben mit verstärkter Präsenz uniformierter und ziviler Streifen.

„Das Risiko eines Einbruchs lässt sich oft schon mit technischen Lösungen bei relativ geringem finanziellen Aufwand reduzieren“, sagte Henkel, der darauf hinwies, dass die Polizeiberatung zur technischen Prävention künftig wieder kostenlos sein soll. Tatsächlich verzeichnet die Statistik eine gestiegene Zahl versuchter Einbrüche, die an besseren Tür- und Fenstersicherungen scheiterten. Benedikt Lux von den Grünen unterstellte Henkel, kein Konzept zur Bekämpfung der Einbrüche zu haben. „Ein paar Infozettel an die Bevölkerung reichen nicht“, sagte er. Lux forderte, die internationale Zusammenarbeit zu verstärken. „Auch Rumänien und Bulgarien haben eine Polizei, die ihre Verdächtigen im Blick hat.“

Auch die Entwicklung anderer Delikte wird in dem Atlas aufgezeigt, etwa beim Autodiebstahl. So kamen in Charlottenburg-Nord Fahrzeuge von Fluggästen weg, die vom Flughafen Tegel abreisen. Um die Parkgebühren am Flughafen zu vermeiden, hatten sie ihre Fahrzeuge im Bereich Saatwinkler Damm und Umgebung abgestellt.

In Wedding, Spandau oder Neukölln wiederum ist die Gefahr, auf der Straße Opfer eines Raubes oder einer Körperverletzung zu werden, am höchsten. Negativ entwickelt hat sich auch Wannsee. Dort gibt es zwar wenige Einwohner, allerdings ist der Ortsteil stark frequentiert wegen des Strandbades, vieler Biergärten und Veranstaltungen, wo sich gelegentlich Gäste in die Haare kriegen.

Keine No-Go-Areas

Koppers wies darauf hin, dass es statistische Probleme gibt, bei der Betrachtung von Gegenden mit geringen Fallzahlen. So rangiert Tiergarten unter anderem bei Körperverletzungen an oberster Stelle – aber nicht, weil die Gegend so gefährlich ist, sondern weil es auf der Straße des 17. Juni regelmäßig Massenveranstaltungen wie die Fanmeile gibt. Und in Siemensstadt, wo ebenfalls nur wenige Menschen wohnen, ging die Zahl der Diebstähle hoch, weil dort ein neues Einkaufszentrum eröffnete. In Mitte müsse man in Betracht ziehen, dass der Bezirk touristisches Hauptziel sei, in dem es mehrere Umsteigebahnhöfe gibt. Allerdings würden auch ungünstige Sozialstrukturen wie etwa in Wedding Delikte wie Raub und Körperverletzung hervorbringen. „Es gibt aber in Berlin keine No-Go-Areas“, sagte sie.

Der vollständige Kriminalitätsatlas ist im Internet zu finden unter berlin.de/sen/inneres