Die Polizei bekommt die Kriminalität zwischen Kottbusser Tor und Warschauer Brücke nur schwer in den Griff. Von November 2015 bis April dieses Jahres zählte die Polizei allein am Kottbusser Tor in Kreuzberg insgesamt 322 Gewaltdelikte, darunter 208 Körperverletzungen, 84 Raube, 26 Fälle von Nötigung beziehungsweise Bedrohung und drei Sexualdelikte.

In dieser Zeit registrierte die Polizei dort auch 1461 Eigentumsdelikte, darunter 386 Ladendiebstähle. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Antwort von Innenstaatssekretär Bernd Krömer (CDU) auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Marianne Burkert-Eulitz und Benedikt Lux hervor.

Krömer zufolge gab es von Januar bis Ende April auch im Bereich der Warschauer Brücke in Friedrichshain, wo sich das RAW-Gelände mit seinen Clubs befindet, viele Gewaltdelikte – nämlich 169. Darunter waren 130 Körperverletzungen und 25 Raubtaten. Hoch war auch die Zahl der Eigentumsdelikte: insgesamt 473.

Täter folgen den Touristen

Vor allem die Zahl der angezeigten Taschendiebstähle in beiden Gegenden war hoch. Am Kottbusser Tor lag sie seit Herbst bei 708 und an der Warschauer Brücke seit Jahresbeginn bei 291. Das liegt unter anderem daran, dass die Diebe und Drogendealer den Touristenströmen folgen. Sowohl der Kotti als auch das RAW-Gelände und der dazwischen gelegene Bereich um den Görlitzer Park sind bei Touristen beliebt. Dass man sich dort auch mit Drogen eindecken kann, steht mittlerweile sogar in Reiseführern.

Dieser gesamte Bereich wird seit Ende vergangenen Jahres von der Polizei als „zusammengefasster kriminalgeografischer Raum“ gesehen. Die Polizei hat ihre Präsenz in den ersten vier Monaten dieses Jahres an der Warschauer Brücke und am Kottbusser Tor hochgefahren.

Auf Friedrichshainer Seite beschlagnahmten Beamte insgesamt rund 8640 Euro Handelserlös aus Drogenverkäufen, sie überprüften 773 Personen und nahmen 73 Dealer fest. Am Kotti beschlagnahmte die Polizei rund 9140 Euro, überprüfte 1086 Personen und nahm 103 Dealer fest. Auch in den Bahnhöfen Warschauer Straße und Kottbusser Tor war sie stärker präsent.

Die Täter lassen sich nicht dauerhaft abhalten

Allerdings räumt Staatssekretär Krömer ein, dass die Kriminellen an beiden Orten einen „lukrativen Aktionsraum“ sehen. Die Täterklientel lasse sich „auch von Polizeipräsenz nicht dauerhaft von der verdeckten Tatbegehung abhalten“.

Ebenso scheint es sich am Görlitzer Park mit den Drogendealern zu verhalten. Ihn hatten Innen- und Justizverwaltung im April vergangenen Jahres zur „Null-Toleranz-Zone“ erklärt: Bereits wenn dort bei jemandem kleinste Mengen Drogen gefunden werden, wird gegen ihn ein Ermittlungsverfahren geführt.

Innenstaatssekretär Krömer stellt jedoch fest: „Zum jetzigen Zeitpunkt sind nach Einführung der Null-Toleranz-Zone keine signifikanten, umfassenden und dauerhaften Verlagerungen von Personen der Betäubungsmittel-Händlerszene zu erkennen, auch nicht an andere Brennpunkte der Drogenkriminalität in der Umgebung.“ Das heißt: Die Drogendealer in dem Park lassen sich von der Polizei nicht beeindrucken.