In Mitte lebt es sich am gefährlichsten. In Marzahn-Hellersdorf dagegen ist es am sichersten. Das war vor zwei Jahren noch anders. Da war die Kriminalitätsbelastung in Treptow-Köpenick am geringsten. Das geht aus dem Kriminalatlas hervor, der von der Polizei alle zwei Jahre zusammengestellt wird. Am Donnerstag  wurden die aktuellen Zahlen vom vergangenen Jahr veröffentlicht – sortiert nach Bezirken und Kiezen.

Diese Statistik, die zum vierten Mal erschienen ist, basiert auf den Kriminalitätszahlen in 17 verschiedenen Straftatengruppen, die in 138 Bezirksregionen von den Mitarbeitern der 37  Polizeiabschnitte erfasst und im Landeskriminalamt ausgewertet worden sind.  Ausgenommen sind nicht relevante Bereiche wie der Forst Grunewald, in dem 75 Anwohner registriert sind.

Insgesamt registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 569.549 Straftaten. Das sind knapp fünf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Dabei gingen, wie bereits berichtet, die Zahl der Gewalttaten zurück. Die Zahl der Einbrüche und der Diebstähle stieg. Das macht auch der Kriminalitätsatlas deutlich. Der Alexanderplatz führt die Liste der Diebstähle  an. Dort wurden im vergangenen Jahr   12.150 Fälle gezählt.  

Die Hälfte davon sind Taschendiebstähle.   Grund dafür ist, dass hier viele Touristen unterwegs sind. Das gleiche gilt für das  Regierungsviertel, in dem 5399 Diebstahlsfälle registriert, worden sind.   „Wo Touristen sind, sind Diebe nicht weit“, sagen Fahnder von Landes- und  Bundespolizei.

Mobile Wache gescheitert

Zu den Kriminalitätsschwerpunkten gehören in Mitte  die Straße Unter den Linden, das Brandenburger Tor, der Gendarmenmarkt,  der Reichstag sowie die Bahnhöfe Alexanderplatz, Hackescher Markt und Friedrichstraße.  Am schlimmsten ist die Situation  jedoch am  Alexanderplatz mit seinem Bahnhof.  Versuche, mit einer mobilen Wache die Kriminalitätsquote  zu senken, scheiterten allesamt, der bisher letzte im vergangenen Jahr. Und auch eine   feste Polizeiwache, die rund um die Uhr besetzt ist, gibt es nicht.   Innensenator Frank Henkel (CDU) setzt sich für eine verstärkte Videoüberwachung ein –    bisher allerdings auch ohne Erfolg.  So bleibt das Areal mit der unübersichtlichen Bahnhofshalle ein  Treffpunkt für Obdachlose, Trinker und Bettler.

Auch im Bereich der Nachstellung, Nötigung, Freiheitsberaubung sowie Bedrohung liegt laut Statistik Mitte auf dem führenden Platz. Allerdings betrifft es dabei nicht den Alexanderplatz sondern das Wedding-Zentrum, das mit 354 erfassten Fällen  in Führung liegt. In dem Areal befinden sich der Leopoldplatz sowie der Nettelbeckplatz.

Beim Fahrraddiebstahl ist wieder einmal Pankow Spitze. 634 Fälle  wurden allein im Zentrum Pankow gezählt. Wohnungseinbrecher bevorzugen  immer noch  Charlottenburg-Wilmersdorf, dort gab es 1576 erfassten Fällen. Besonders beliebt ist in diesem Bereich der Grunewald (185 Fälle), gefolgt von Westend (141 Fälle ). Am sichersten lebten Wohnungsmieter am Mierendorffplatz (42 Fälle).

Der Weg zur Autobahn ist lang

Autobesitzer trugen in Pankow im vergangenen Jahr das größte Risiko, dass ihr Wagen geklaut wird.   Dort registrierte die Polizei die meisten Fälle. An der Spitze liegt der Ortsteil Prenzlauer-Berg-Nord. Das ist das Areal rund um die Gethsemanekirche.  Das verwundert Polizisten, weil der Weg  auf die Autobahn für die Diebe relativ lang ist und vom stockenden Verkehr häufig gestört wird. Bislang waren Buch und Marzahn ideal für Autodiebe. Besonders beliebt  bei  den Auftragsdieben  aus Osteuropa  war der Caddy von VW.  In Spandau lebten Autobesitzer am ruhigsten. Dort  wurden die wenigsten Diebstähle gemeldet.  

Beim Drogenhandel hat sich nichts verändert. Am meisten gedealt wurde in Friedrichshain-Kreuzberg.  In der südlichen Luisenstadt, rund um den  Mehringplatz, fielen  Dealer laut Statistik besonders auf.