Noch acht Orte in Berlin gelten als „kriminalitätsbelastet“: der Alexanderplatz, Schöneberg-Nord, Görlitzer Park, Warschauer Brücke, Kottbusser Tor, ein Teil der Hermannstraße, der Hermannplatz und ein Teil der Rigaer Straße. Zwei Orte sind gestrichen: Der Kleine Tiergarten in Moabit und der Leopoldplatz in Wedding gehörten nicht mehr dazu, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Dort sei die Zahl der festgestellten Straftaten gesunken.

Was ein „kriminalitätsbelasteter Ort“ (kbO) ist, definiert die Polizei. Die Zahl und Schwere der Straftaten müssen eine bestimmte Schwelle überschreiten. An einem kbO haben Polizisten mehr Befugnisse. Sie dürfen zum Beispiel Leute unabhängig von einem konkreten Verdacht kontrollieren. Bis vor einem Jahr hielt die Polizei die Liste der kbO geheim – aus einsatztaktischen Gründen und um die Gegend nicht zu stigmatisieren.

Haftquote erhöht

Polizei und Justiz arbeiten nach eigenen Angaben inzwischen enger zusammen. Geisel verwies am Montag auf signifikante Rückgänge bestimmter Straftaten. Die Rückgänge von Wohnungseinbrüchen im vergangenen Jahr (minus 25,4 Prozent), von Kellereinbrüchen (minus 17 Prozent) oder Taschendiebstahl (minus 39,4 Prozent) sind nach seinen Worten auch auf eine bessere Zusammenarbeit zwischen Justiz und Polizei zurückzuführen. So ließen sich Amtsanwälte von Polizisten über das Vorgehen von Tätern unterrichten – etwa ob man es mit Einzeltätern oder Banden zu tun hat.

Gleichzeitig hatten Richter und Ankläger Gelegenheit, Polizisten über Fehlerquellen aufzuklären. Denn immer wieder kommt es vor, dass eine lückenhafte Ermittlungsakte noch einmal an die Polizei zurückgegeben wird, mit der Bitte um Nachermittlungen. So entstehen mitunter immense Zeitverluste.

Weil beide Seiten sich jetzt besser verstehen, konnte nach Geisels Worten im vergangenen Jahr die Quote der Haftbefehle bei Taschendieben um 81,6 Prozent erhöht werden. „Wenn durch Haftbefehle Täter aus dem Verkehr gezogen werden, hören ganze Serien auf“, so der Senator.
Voll des Lobes über die plötzlich so gute Zusammenarbeit war auch der Leitende Oberstaatsanwalt Jörg Raupach. „Je früher wir in ein Verfahren der Polizei einbezogen werden, desto eher können Absprachen über Maßnahmen getroffen werden, die schnell ergriffen werden müssen“, sagte er im Innenausschuss.

„Das klassische Beispiel sind Handyauswertungen. Wenn Sie ein Geschehen am Alexanderplatz haben, gibt es zwanzig, dreißig Handys, mit denen Leute Aufnahmen machen. Die Staatsanwaltschaft hat großes Interesse, früh an diese Aufnahmen heranzukommen, so dass wir nicht ewig Zeugen hinterherrennen müssen.“ Raupach hat einen Mitarbeiter nur mit den Vorgängen am Alexanderplatz betraut. Dieser kennt die Täter. „Je schneller wir tätig wurden, desto schneller ist es zu

Hauptverhandlungen gekommen mit entsprechenden Ergebnissen.“ Das zeige sich auch bei der Bekämpfung der Kriminalität am 1. Mai und in Fußballstadien, wo die Staatsanwaltschaft schon seit Jahren Kollegen vor Ort schicke, um rechtzeitig an Vorgänge heranzukommen.

Busse als Wachen

Bei ihrem Kampf gegen Kriminalität setzt die Polizei auch auf Präsenz. So sollen bis Ende des Monats an Brennpunkten der Kriminalität fünf mobile Polizeiwachen ihre Arbeit aufnehmen. Das sind neu gekaufte Busse, in denen zum Beispiel Anzeigen aufgenommen werden können. Sie sollen auf die örtlichen Direktionen verteilt werden. „Die mobilen Wachen werden Ende dieses Monats offiziell vorgestellt“, sagte Geisel. „Die wird man dann auf der Straße sehen.“

Bislang sind die Beamten vor allem mit Gruppenwagen der Bereitschaftspolizei an Brennpunkten wie dem Kottbusser Tor vor Ort. Dort wurden – wie auch am Alex – inzwischen weniger Straftaten gezählt. Geisel räumt ein, dass es einen Verdrängungseffekt gibt. Auch die Polizisten am Alexanderplatz beobachten, dass die Drogendealer ihre Geschäfte an anderen Orten machen. Fahnder haben die ihnen bekannten Täter inzwischen am Bahnhof Gesundbrunnen wiedererkannt.