An den Kriminalitäts-Brennpunkten in Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg wird etwas weniger geprügelt und geraubt. Das liegt an der erhöhten Polizeipräsenz, doch der Preis für den allgemeinen Kriminalitätsrückgang ist eine wachsende Zahl von tätlichen Angriffen auf Polizeibeamte.

Aus einem internen Lagebericht, der der Berliner Zeitung vorliegt, geht hervor, dass die Fallzahlen an den sogenannten kriminalitätsbelasteten Orten seit Ende 2015 gesunken sind. Jedoch haben die Kriminellen weniger Respekt vor Polizisten. Auf der Partymeile Warschauer Brücke wurden 22 Beamte im Jahr 2017 angegriffen. Im vergangenen Jahr waren es 26. In diesem Jahr wurden bereits seit Anfang Januar bis zum 6. Mai 33 tätliche Angriffe auf Polizisten gezählt. So wurde am 29. April ein Beamter verletzt, als sich ein Drogendealer der Festnahme entziehen wollte.

Polizei verstärkte ihre Präsenz

Am Kottbusser Tor zählte die Polizei im Jahr 2017 neun Angriffe auf ihre Beamten. Im vergangenen Jahr waren es dann bereits 29 – von Januar bis 6. Mai dieses Jahres neun.
Auch im Görlitzer Park geht es hart zur Sache: 17 Angriffe im Jahr 2017, 45 im vergangenen Jahr und bereits 13 von Januar bis 6. Mai.

Der Hermannplatz und ein Teil der Hermannstraße gelten ebenfalls als „kriminalitätsbelastete Orte“. Am Hermannplatz wurden 2017 zehn Polizisten angegriffen, im Vorjahr 33, in diesem Jahr waren es acht bis zum 6. Mai. An der Hermannstraße stieg die Zahl von 17 auf 32 im vergangenen und zehn in diesem Jahr.

Nachdem diese fünf Orte in den vergangenen Jahren vor allem mit Gewalt- und Drogendelikten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt hatten, verstärkte die Polizei dort ihre Präsenz. Seitdem sinken die Kriminalitätszahlen.
Grundsätzlich sei die Fallzahlenentwicklung an den kriminalitätsbelasteten Orten seit Ende 2015 positiv zu bewerten, schreiben die Polizisten der zuständigen Direktion 5.   

Rückgang der Straftaten seit 2015

Zwar gibt es an der Warschauer Brücke und im Görlitzer Park derzeit wieder Zuwächse bei Körperverletzungen und Raub. Jedoch liegen die Zahlen wesentlich niedriger als früher. 2015 wurden im Juli an der Warschauer Brücke noch 303 Straftaten gezählt. 2016 waren es noch 142 und im vergangenen Jahr 131. Im Vorjahr überprüfte die Polizei im Bereich der Warschauer Brücke 185 Personen und erteilte 150 Platzverweise.

Am Kottbusser Tor nahm die Zahl der Körperverletzungen im vergangenen Jahr von 282 auf 91 ab. Insgesamt gibt es dort seit 2015 einen Abwärtstrend von einst 141 im August 2015 auf nun 82 im August 2018. Leicht abnehmend ist die Tendenz auch am Hermannplatz, wo allerdings im Vorjahr noch immer 319 einfache und 70 schwere Körperverletzungen gezählt wurden.

Hotspots wie Wrangelkiez und Hasenheide nicht enthalten

„Wir sehen anhand der Zahlen, dass wir in der Direktion 5 eine Vielzahl an Orten mit hoher Kriminalitätsbelastung haben und sollten dabei nicht vergessen, dass die Liste zahlreiche Hotspots wie den Wrangelkiez oder die Hasenheide noch nicht mal beinhaltet", sagte Norbert Cioma, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei. "Wenn man mittlerweile bei 30, 40 Gramm Cannabis keinen Haftbefehl mehr bekommt, darf sich niemand wundern, dass Kriminelle immer mehr den Respekt vor polizeilichen Maßnahmen und den Menschen, die diese ausführen, verlieren."