Die Kriminalität ist im vergangenen Jahr in Berlin leicht gesunken. Es gab 689 Fälle weniger als 2015 – obwohl Berlin um rund 60.000 Einwohner wuchs. Das geht aus der Kriminalstatistik hervor, die am Montag vorgestellt wurde.

Aufklärungsquote: Sie sinkt inzwischen seit zehn Jahren, von damals 50,4 Prozent auf jetzt 42. Die Polizei führt dies auf mehr Diebstähle zurück, wie etwa Taschendiebstahl. Dabei wird nur wenig aufgeklärt. Zudem erwischte die BVG weniger Schwarzfahrer.

Taschendiebstahl: 44.722 Mal wurden Berliner und Touristen bestohlen. Das ist der höchste Wert der vergangenen zehn Jahre. Nur 5,3 Prozent der Taten wurden aufgeklärt. Die Polizei ermittelte 1758 Tatverdächtige. Davon waren gut 90 Prozent Ausländer. 40 Prozent hatten die rumänische Staatsangehörigkeit. Die Polizei konnte 227 Haftbefehle erwirken. Im Jahr zuvor waren es nur 126. Dies führt Polizeipräsident Klaus Kandt vor allem auf ein besseres Verständnis bei der Justiz zurück. „Wir haben den Staatsanwälten die Lage vor Ort dargestellt, die durch bloßes Studium der Ermittlungsakten nicht vermittelbar ist“, sagt Kandt. Seit August schlage sich das auch in einer rückläufigen Entwicklung nieder, die sich auch in diesem Jahr fortgesetzt habe.

Einbrüche: Jahrelang stiegen die Zahlen. Entgegen dem Bundestrend gab es 2015 und 2016 in Berlin einen Rückgang bei Einbrüchen in Wohnungen (8211 Mal). Erstmals wurde auch etwas weniger in Einfamilienhäuser eingebrochen (3296 Mal). Die Zahlen sind allerdings noch immer hoch. Die meisten Wohnungseinbrüche gab es in Mitte, Charlottenburg-Wilmersdorf und die meisten Einbrüche in Einfamilienhäuser in Steglitz-Zehlendorf und in Reinickendorf.

Kfz-Diebstahl: 7349 Autos wurden gestohlen. Das ist der höchste Wert seit zehn Jahren. Vor allem auf teure Fahrzeuge haben es die international organisierten Banden abgesehen. Auch die Lage Berlins mit der schnellen Anbindung an den osteuropäischen Raum ist für die hohen Zahlen wesentlich.

Zuwanderer als Tatverdächtige: Unter den 135.886 Tatverdächtigen zu allen Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße sind 9614 Zuwanderer: Asylbewerber, Flüchtlinge, Menschen, die mit Duldung in Berlin leben oder sich unerlaubt hier aufhalten. Das sind 41,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Entsprechend nahm der Anteil tatverdächtiger Zuwanderer an allen Tatverdächtigen von 4,7 auf 7,1 Prozent zu. Zuwanderern begingen 17.180 Straftaten – eine Zunahme um 25,3 Prozent. Darunter sind zum Beispiel 6100 Diebstähle (4229 Ladendiebstähle), 2599 Körperverletzungen, und 141 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (ein Plus um 95,8 Prozent). Inwiefern diese Zunahme etwas über das generelle Verhalten der Zuwanderer etwas aussagt, lässt sich laut Polizei noch nicht beurteilen. „Die Zahlen müssten ins Verhältnis zu der Anzahl der Zuwanderer gesetzt werden, die sich in Berlin aufhalten“, sagt Stephan Harnau, Kriminalitätsanalytiker im Landeskriminalamt. „Wir haben aber noch keine verlässlichen Zahlen.“ Denn niemand weiß, wie viele Flüchtlinge 2015 und 2016 nach Berlin gekommen und geblieben sind. Einen signifikanten Anstieg von Straftaten durch Zuwanderer in der Umgebung von Flüchtlingsunterkünften konnte die Polizei nicht feststellen.

Betrug: 28.315 Mal gab es Waren- oder Warenkreditbetrug, bei dem Waren bestellt wurden, ohne zu bezahlen. Oder aber: Es wurde versprochen, eine Ware zu liefern, was nicht passierte.

Fahrraddiebstähle: Noch nie kamen so viele Fahrräder weg – 34.418 Stück. Vor allem auf großen Abstellplätzen, etwa an Bahnhöfen, werden sie entwendet. Die Aufklärungsquote liegt bei nur 3,5 Prozent.

Sexualstraftaten: Bei sexueller Nötigung gab es eine Zunahme um 38 auf 308 Fälle. Sexueller Missbrauch von Kindern blieb mit 686 erfassten Fällen konstant. Die Zahl der Vergewaltigungen verringerte sich von 623 auf 586 Fälle. Stark zugenommen haben die Anzeigen wegen Beleidigungen auf sexueller Grundlage – um 376 auf 1255 Fälle. „Möglicherweise besteht hier nach den Ereignissen von Köln zum Jahreswechsel 2015/16 eine erhöhte Sensibilität, die zu einem veränderten Anzeigeverhalten und damit zu höheren Fallzahlen geführt hat“, konstatieren die Statistiker.

Raub: Einen deutlichen Rückgang stellt die Polizei bei Raubtaten fest – 5156 Fälle. Das ist die niedrigste Zahl seit zehn Jahren. Vor allem die Überfälle auf Geschäfte und Handtaschenraub gingen zurück. Ermittlern zufolge verlegen sich Kriminelle verstärkt auf Einbrüche oder Warenbetrügereien. Das ist lukrativer und gefahrloser.

Körperverletzung: 42.847 Körperverletzungen registrierte die Polizei. Das ist ein Anstieg um 5,3 Prozent. Erklärt wird dies mit den zahlreichen Auseinandersetzungen in Flüchtlingsunterkünften.

Rauschgiftdelikte: Ihre Zahl ging zwar um 7,7 Prozent auf 14.880 Fälle zurück. Im Zehnjahresvergleich ist das aber immer noch die zweithöchste Zahl erfasster Straftaten. Die Zahl der erfassten Delikte ist abhängig davon, wie intensiv die Polizei kontrolliert.

Internetkriminalität: Auch hier erreichte die Kriminalität einen Höchststand mit 24.401 Fällen. Schadprogramme werden versendet und Bankkonten ausgespäht. Schützen kann man sich, indem man seine Virensoftware auf dem neuesten Stand hält und keine unbekannten E-Mail-Anhänge öffnet.

Politisch motivierte Kriminalität: Rechtsradikale Straftaten gingen um fünf Prozent auf 1588 Fälle zurück. Die Gewaltdelikte stiegen um zehn Prozent auf 158 Fälle. Linksradikal motivierte Delikte nahmen um 16 Prozent zu auf 1226 Fälle. Die Gewaltdelikte stiegen um fünf Prozent auf 379 Fälle. Bei der politisch motivierten Ausländerkriminalität stieg das Aufkommen um 41 Prozent auf 413 Fälle. Allerdings gibt es noch Erfassungsrückstände, weil der Staatsschutz noch mit der Bearbeitung des Terroranschlags vom Breitscheidplatz befasst ist.