Berlin - Die organisierten kriminellen Banden in Berlin gehen zunehmend flexibel vor und vernetzen sich dabei auch untereinander. Die frühere Abschottung nach Herkunft, Familien und bestimmten Gruppen werde „zugunsten des Joint-Venture-Gedankens zur Erreichung des Tatziels aufgegeben“, sagte Kriminaldirektor Stefan Pietsch, Leiter des Bereichs Organisierte Kriminalität im Landeskriminalamt (LKA), am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Außerdem nehme die Spezialisierung auf bestimmte Delikte ab.

Wichtig für die Kriminalpolizei sei deswegen immer mehr die Zusammenarbeit mit anderen Behörden, Bundesländern und Staaten, so Pietsch. Das hätte unter anderem die Beschlagnahmung von 77 Immobilien krimineller Mitglieder eines arabischstämmigen Clans vor zwei Jahren gezeigt.

Dabei möchte der Senat weiterhin ein Immobilienregister durchsetzen, mit dessen Hilfe sich Besitzverhältnisse besser identifizieren ließen, um Häuser im Zweifelsfall beschlagnahmen zu können. Das bekräftigte Innensenator Andreas Geisel (SPD). Vor zwei Wochen hat Berlin eine entsprechende Initiative in den Bundesrat eingebracht, wo sie am 12. Februar behandelt wird.

Unterstützung dafür kommt auch von Holger Münch, dem Chef des Bundeskriminalamts. „Versuchen Sie mal in Deutschland festzustellen, wer Geld in Immobilien investiert hat“, sagte Münch Mitte des Monats auf einer Sicherheitskonferenz in Berlin. Ein Register könnte da helfen. Dennoch ist eine Umsetzung unwahrscheinlich. Weder CDU noch SPD auf Bundesebene unterstützen die Initiative.

Im bereits im Dezember veröffentlichten LKA-Bericht für 2019 zur organisierten Kriminalität wurden 56 Ermittlungsverfahren mit insgesamt 432 Verdächtigen geführt. Elf Verfahren richteten sich gegen Mitglieder von Clans, vor allem wegen Diebstahl und Einbruch sowie Rauschgifthandel und -schmuggel. Bei weiteren Ermittlungskomplexen ging es um Rockerkriminalität und tschetschenische Banden. Bundesweit waren es 579 Ermittlungsverfahren. Der Stadtstaat Berlin stand nach den Flächenländern Nordrhein-Westfalen, Bayern und Niedersachsen an vierter Stelle.