Er kann es nicht lassen. Meinhard von Gerkan, der Architekt des Berliner Hauptbahnhofs, hat erneut gefordert, das Dach über den Ost-West-Gleisen zu verlängern. Das sei weiterhin ein „dringender Wunsch“ von ihm, sagte er am Sonntag am Rande des Frühjahrsempfangs, zu dem der Landesverband Berlin des Bundes Deutscher Architekten in den Flughafen Tegel geladen hatte.

Dass die Bahn das Dach kürzer bauen ließ, damit der Bahnhof 2006 zur Fußball-WM fertig wurde, sei ein „Akt der Kleinmütigkeit“ gewesen: „Das ist ein Makel, der dem Bahnhof ewig anhaften wird.“ Er sprach von „Verunstaltung“. Erste-Klasse-Passagiere müssten bei Regen ohne Wetterschutz aussteigen.

Von Gerkan will sich bei Bahn-Chef Rüdiger Grube dafür einsetzen, dass die für 2015 vorgesehene dreimonatige Sperrung der Fernbahngleise dazu genutzt wird, das Dach zu verlängern. Die Metallelemente lagern im Stadtbahn-Viadukt zwischen der Andreas- und Koppenstraße in Friedrichshain. Die Bahn bekräftigte allerdings, dass sie das Dach nicht verlängern will: „Das steht nicht zur Debatte.“

Der Architekt kritisierte auch, dass der Bahnhof „nur mühsam in das innerstädtische Gefüge hineinwächst“. Sein Gebäude stehe in einem „Unland“, umgeben von Brachen. Die wenigen neuen Häuser im Umkreis seien „Banalbauten“, wetterte von Gerkan. Die Bauherren waren nicht bereit, sich an den städtebaulichen Entwurf von Oswald Mathias Ungers zu halten – auch eine Kritik am Senat, der das zuließ.

„Kleinkarierte“ Senatspläne

Was mit dem Flughafen Tempelhof geschehen ist, stieß bei von Gerkan ebenfalls auf Ablehnung. „Das einzig Wahre wäre es, Tempelhof zu einem Luftfahrtmuseum der Welt zu machen.“ Stattdessen wurde das Areal ein „Vergnügungspark für Skater – eine Verhohnepipelung“. Die Senatspläne, das Areal am Rand zu bebauen, seien „kleinkariert“.

Bei seinem aktuellen Projekt, dem Flughafen BER, lobte der 78-Jährige die großzügige Vorfahrt und bedauerte es, dass er den zentralen Vorzug von Tegel dort nicht realisieren konnte. In Tegel galten die kürzesten Wege als die besten Wege, doch heute seien den Planern lange Wege am liebsten, damit Fluggäste an Läden vorbeigeschleust werden: „Mit diesem Prinzip haben wir auch in Schönefeld zu tun.“ Zum Streit mit dem BER-Bauherrn sagte von Gerkan nichts: „Ich möchte nicht noch Öl in eine Flamme gießen, die man vielleicht noch löschen kann.“

Seine Abrechnung „Black Box BER“, die im Mai erscheinen sollte, kommt laut Amazon nun am 16. August heraus. Das letzte Kapitel, so der Autor, werde noch geschrieben.