Die Kritik am umstrittenen Kunstprojekt Dau, in dessen Rahmen vom 12. Oktober bis zum 9. November in Mitte Teile der Berliner Mauer wieder errichtet werden sollen, um eine Diktaturerfahrung erlebbar zu machen, reißt nicht ab.

Mit öffentlichen Anzeigen und einem Pressetermin hat Lea Rosh, die Journalistin und Mitinitiatorin des Berliner Mahnmals für die ermordeten Juden Europas, nun abermals ihren Protest gegen das Kunstprojekt Dau bekräftigt, indem sie einen bereits vor einer Woche publizierten Offenen Brief erneut vorgestellt hat.

„Wir brauchen keine Mauer“, heißt es darin. „Wir brauchen nicht die Erfahrung von Knast – das war lange bitterer Ernst in Berlin, die Mauer ist kein Event-Spielzeug!“ Weiter heißt es in dem Brief: „Die Herren, die sich dieses unselige Projekt ausgedacht haben, sollten sich bei Herrn Putin für Sensow, Serebrennikow einsetzen und Nawalny unterstützen. Dann können sie wahrscheinlich die Knasterfahrung an eigenem Leib erfahren.“

Oleh Senzow ist ein ukrainischer Filmregisseur, der sich in russischer Haft befindet und in einen Hungerstreik getreten ist. Der Theateregisseur Kirill Serebrennikow steht in Russland unter Hausarrest. Alexei Nawalny ist ein russischer Oppositionspolitiker.

Zu den Erstunterzeichnern des Offenen Briefes gehören neben Lea Rosh auch die Bürgerrechtler Konrad Weiß und Marianne Birthler, inzwischen haben auch die Politiker Knut Nevermann, Alice Ströver, Dietger Pforte sowie der Dirigent Christian Thielemann und die Filmproduzentin Regina Ziegler unterschrieben.

Symbol für eine reale Gefahr

In einem Offenen Brief vom 7. September hatte sich der Bürgerrechtler Konrad Weiß ebenfalls vehement gegen das Dau-Projekt ausgesprochen.

„Der Gedanke, dass ein Stück Berlin neuerlich von einer Mauer geschändet wird, und sei es auch nur für einige Tage, ist für mich unerträglich. Ich denke, dass dies viele, die in der DDR oder in Ostberlin gelebt haben, so empfinden werden. Allein die Vorstellung, (...) Wachtürme und Beton und Grenzposten sehen zu müssen, lässt bitterste Erinnerungen und Gefühle wach werden. Das sollte uns niemand antun.“

In der vergangenen Woche hatten sich bereits eine Reihe prominenter Künstler und Filmschaffende hinter die Pläne des russischen Filmemachers Ilya Khrzhanovsky gestellt. Die Mauer sei keine platte Nachahmung, sondern ein Symbol für eine auch gegenwärtige, reale Gefahr, befanden u.a. Lars Eidinger, Iris Berben, Tom Schilling und Veronica Ferres, die sich mit ihrem Votum an die Berliner Verwaltung wandten, die über eine behördliche Genehmigung des Projektes entscheiden soll.