In den vergangenen Wochen haben die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg und ihre Mitstreiter mal wieder den Ärger verschiedener Herren (und weniger Damen) aus der deutschen Bundespolitik auf sich gezogen. FDP-Chef Christian Lindner etwa empfahl den jungen Demonstranten, die  – von Greta Thunberg inspiriert – freitags für den Klimaschutz demonstrieren, statt zur Schule zu gehen, den Umweltschutz doch lieber den (erwachsenen) Profis zu überlassen. Offenbar hatte er den Eindruck, die Erfolgsbilanz der letzten Jahre in Sachen Klimapolitik spräche für sich. 

Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) rügte altväterlich das Schuleschwänzen und regte an, die Proteste lieber aufs Wochenende zu verlegen. Und CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak – den Klimaaktivisten mit 33 Jahren immerhin altersmäßig noch am nächsten – hatte nichts Besseres zu tun, der „armen Greta“  vorzuwerfen, nicht ausreichend an die Beschäftigten der deutschen Kohleindustrie gedacht zu haben.

Politische Ignoranz und Ich-Bezogenheit

Man könnte jetzt mutmaßen, die Herren (und wenigen Damen), die da regelmäßig gegen die Jugend twittern und poltern, der ja sonst regelmäßig politische Ignoranz und Ich-Bezogenheit unterstellt wird, hätten einfach das Prinzip von zivilem Ungehorsam nicht verstanden. Man könnte ihnen auch die böse Absicht unterstellen, eine junge Frau und ihre Bewegung zu Wahlkampfzwecken missbrauchen zu wollen. Als gäbe es nicht Probleme genug auf deren Lösung man sich konzentrieren könnte statt eine Umweltaktivistin zu beschimpfen – wobei sie oft nur beim Vornamen genannt oder als „Mädchen“ bezeichnet wird.

Greta Thunberg selbst hatte in einem Interview mit dem Spiegel schon vor einiger Zeit einen treffenden Satz dazu gesagt: „Es ist ein gutes Zeichen, dass sie mich hassen.“ Tatsächlich steckt hinter Hass oft ein simples Motiv: Das Gefühl von Bedrohung. Sollten sich etablierte Politiker – zum Teil mit Regierungsverantwortung, auf jeden Fall mit Geltungsdrang – von  der 16-Jährigen bedroht fühlen, spricht das ohnehin für sich.

Greta Thunberg: „Es ist ein gutes Zeichen, dass sie mich hassen.“ 

Vielleicht muss man das alles aber gar nicht so hoch hängen. Möglicherweise geht es beim Greta-Thunberg-Bashing um ein simpleres Gefühl, das die Kritiker umtreibt. Neid ist schließlich auch eine Form der Anerkennung. So gesehen können sich die junge Schwedin und ihre Unterstützer über zahlreiche neue Bewunderer aus den Reihen von CDU und FDP freuen. Auch wenn diese eine eigentümliche Art haben, ihre Bewunderung kundzutun.

Neid ist außerdem ein ziemlich fieses Gefühl. Da kann man sich schon mal im Ton vertwittern. Schwamm drüber. Allerdings sollte man wissen, wann es genug ist. Oder, einfach ausgedrückt: Es reicht jetzt, Jungs. Werdet erwachsen!