Zeitunglesen kann die Dinge in Bewegung bringen. So erging es Mitgliedern des SPD-Kreisverbandes Marzahn-Hellersdorf, die vor wenigen Tagen die jüngste Forsa-Umfrage der Berliner Zeitung zur Kenntnis nahmen: Die SPD liegt danach nur noch bei 21 Prozent und Klaus Wowereit ist auf der Skala der beliebtesten Politiker auf den allerletzten Platz abgestürzt – noch hinter einen ziemlich unbekannten Abgeordneten der Piraten.

Da hat sich etwas völlig umgekehrt mit dem über Jahre populären Regierenden, der lange Zeit den obersten Platz auf der Forsa-Treppe innehatte. Die schockierende Entwicklung veranlasste die Genossen in Marzahn-Hellersdorf zum Handeln.

Nicht bis 2015 warten

Einstimmig beschloss man als erster SPD-Kreisverband eine Forderung an den Regierenden: „Wir erwarten, dass Klaus Wowereit sich noch 2014 positioniert und sich erklärt, ob er noch einmal kandidiert“, sagte der Bezirksbürgermeister und SPD-Kreischef von Marzahn-Hellersdorf, Stefan Komoß, der Berliner Zeitung. Wowereit hat bisher gesagt, er wolle erst Ende 2015 entscheiden, ob er bei der Abgeordnetenhauswahl im Herbst 2016 für eine vierte Amtsperiode antreten will.

Komoß ergänzte, wenn die anderen Parteien ihre Spitzenkandidaten 2014 aufstellten, „spricht der gesunde Menschenverstand dafür, dass wir als SPD nicht bis 2015 mit der Entscheidung warten“.

SPD-Chef Jan Stöß, der als möglicher Wowereit-Nachfolger im Gespräch ist, lehnte einen Kommentar zu dem Vorstoß aus dem kleinen SPD-Kreisverband ab. In den Kreisverbänden sind die Reaktionen, soweit sie urlaubsbedingt nicht gänzlich ausfallen, unterschiedlich, wobei diejenigen, die sich gegen Komoß richten, offen vorgetragen werden. Etwa die von Jörg Stroedter, SPD-Kreischef von Reinickendorf. „Das ist eine Sommerloch-Debatte zur Unzeit“, sagt Stroedter an die Adresse von Komoß. „Es sind noch über zwei Jahre bis zur Abgeordnetenhauswahl, da brauchen wir nicht jetzt schon über Spitzenkandidaten reden“.