Wer sich am Mittwochmorgen die EM-Wettkämpfe im Freiwasserschwimmen in Grünau ansehen wollte, war gut beraten, sich Essen und Trinken mitzubringen. Ticket-Vorbestellungen waren unnötig. Sie wurden kaum verkauft.

140 zahlende Besucher hatte die Frau am Einlass gezählt, als um 10 Uhr der 10-Kilometer-Wettkampf der Frauen begann. Etwa 100 Sportler aus 22 Nationen gehen bis zum heutigen Donnerstag in Grünau an den Start. Doch kaum jemand interessiert sich dafür. Etliche Plätze auf der Zuschauertribüne an der Regattastraße blieben am Mittwoch leer.

„Woher sollen die Berliner auch wissen, was hier los ist? Ich habe nirgendwo gesehen, dass in der Stadt für die EM in Grünau geworben wurde“, sagt Gerhard Bechtoldt, Vize-Vorstand im Verein Zukunft in Grünau. Auch der Vorsitzende des Tourismusvereins Treptow-Köpenick, Robert Schaddach, ärgert sich über die schlechte Werbung des Deutschen Schwimmverbandes (DSV). „Die Regattastrecke hat ein gewaltiges Potenzial“, sagt er. „Aber das muss man auch vermarkten.“

Abgelegener Austragungsort

Schon vor den Wettkämpfen in Grünau hatte der zwölffache Freiwasser-Weltmeister Thomas Lurz den abgelegenen Austragungsort kritisiert. Viel lieber wäre er auf Gewässern in der Innenstadt gestartet, weil dorthin mehr Zuschauer gekommen wären. „In Grünau schauen uns vielleicht ein paar Wölfe zu“, hatte Lurz gesagt – und lag mit seiner metaphernhaften Prognose richtig.

Gegen Mittag zählt die Frau am Einlass 168 Zuschauer. Nirgendwo können die Besucher sich etwas zum Trinken und zum Essen kaufen. Ein Bierwagen hat noch nicht geöffnet. Vom S-Bahnhof Grünau fährt die Straßenbahn wie gewöhnlich im 20-Minuten-Takt zur Regattastraße. Man sieht kein Hinweisschild, keinen Wegweiser, kein Plakat.

Vereins-Vize Bechtoldt sagt, er könne nicht verstehen, warum die Veranstalter keinen Shuttle-Bus vom S-Bahnhof anbieten würden oder die Straßenbahn in kürzeren Abständen fahre. Zehn Euro kostet eine Tageskarte für die Freiwasser-Wettkämpfe. „Dafür muss man den Besuchern doch auch was bieten“, sagt Bechtoldt.

DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow hatte gehofft, dass sich nach Lurz’ Kritik besonders viele Besucher in Grünau zeigen würden. Am Mittwochnachmittag sagte Buschkow der Berliner Zeitung: „Die gewünschten Zuschauerzahlen haben wir nicht erreicht. Aber es ist ja auch Ferienzeit.“

Am Nachmittag gewann Thomas Lurz die Bronze-Medaille im Fünf-Kilometer-Freiwasser der Männer. Kurz darauf schrieb er an den Verein Zukunft in Grünau, dem er nun angehört, eine Nachricht: Zuschauer seien keine dagewesen, nur Angehörige, Schwimmer, Trainer oder Eltern. „Es gibt nicht mal einen Essensstand. Aber trotzdem sehr schön bei euch!“