Kritik an Russland-Politik : NVA-Generäle sorgen sich um die Menschheit

Die ehemaligen NVA-Generäle und Offiziere nennen sich „Soldaten für den Frieden“ und haben eingeladen: Im Haus der Zeitung „Neues Deutschland“ in Friedrichshain sitzen der Ex-Admiral und letzte DDR-Verteidigungsminister, Theodor Hoffmann, und seine Kampfgenossen am Podium, um eine Erklärung zu verlesen, die die Russland- und Ukrainepolitik des Westens verurteilt und von 80 Ex-Generälen und weiteren hohen Offizieren unterzeichnet wurde.

Bei der Pressekonferenz am Dienstag gibt es Schnittchen mit Käse und Wurst; Journalisten sind nur wenige da. Dafür füllt sich der Raum mit weißhaarigen Herren, die das Publikum bilden. Man kennt sich, man klopft herzlich auf Schultern. Die Männer waren einst Generalleutnants der Nationalen Volksarmee der DDR. Sie waren Generalmajore, Konteradmirale oder einfach nur Oberste. Einer war sogar Generaloberst: Fritz Streletz, 89 Jahre alt. Der einstige Stellvertretende Minister für Nationale Verteidigung ist braun gebrannt. „Ich komme gerade aus Kuba wieder“, sagt er fröhlich und wirkt so agil, als wolle er demnächst die verlotterte Bundeswehr auf Trab bringen.

„Als Militärs, die in der DDR in verantwortungsvollen Funktionen tätig waren, wenden wir uns in großer Sorge um die Erhaltung des Friedens und den Fortbestand der Zivilisation in Europa an die Öffentlichkeit“, sagt Theodor Hoffmann, der dem Verband zur Pflege der Traditionen der NVA und der DDR-Grenztruppen vorsteht. Seine Organisation hat nach eigenen Angaben 270 Mitglieder. Hinzu kommen locker assoziierte Verbände mit insgesamt 600 ehemaligen NVA-Soldaten.

Hoffmann kritisiert die Erweiterung der Nato, die Übungen nahe der russischen Grenze. Er spricht über die gegenwärtigen Kriege, bei denen es um geostrategische, militärische und ökonomische Interessen gehe. Seine Ansprache ähnelt in Duktus und Begriffen jenen Texten, die einst im Staatsbürgerkundeunterricht gelesen wurden. Der Ex-Admiral verweist darauf, dass er und seine Genossen in der Sowjetunion studiert und Freundschaften geschlossen hätten, die bis heute bestünden. „Die Erfahrung lehrt, dass es besser ist, die Russen als Freund und nicht als Feind zu haben.“

Auch ein Kosmonaut unterschrieb

Dann spricht Horst Parton. Er ist Vorsitzender der „Initiativgemeinschaft zum Schutz der sozialen Rechte ehemaliger Angehöriger bewaffneter Organe und der Zollverwaltung der DDR“ (ISOR). Er kritisiert, dass der Antifaschismus, „in der DDR eine mit Recht verordnete Staatsdoktrin“, entsorgt werde.

Die zweiseitige Erklärung, die der Ex-Admiral und seine Genossen verteilen, hat den Titel „Soldaten für den Frieden“ und richtet sich gegen „Kriegshysterie und Russenphobie“. Unterschrieben hat auch der Kosmonaut Sigmund Jähn.

„Den Aufruf leiten wir an an die Botschaften der Nato-Länder weiter, sagt Ex-Generalleutnant Manfred Volland, einst Stellvertreter des Chefs der Politischen Hauptverwaltung der NVA. „Und er geht an die Fraktionen im Bundestag.“ Da meldet sich ein Journalist von der Jungen Welt und rät: „Es wäre sicher sinnvoll, die Abgeordneten persönlich anzuschreiben.“

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Ein Mann steht auf, der sich als Oberst vorstellt: „Ich hoffe, dass es gelingt, den Kriegstreibern, die am Krieg verdienen, in die Arme zu fallen!“ Ein weiterer Zuhörer erhebt sich und nimmt Haltung an. Er sei von der Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung, stellt er sich vor. Diese Organisation kümmert sich unter anderem um ehemalige Stasi-Bedienstete. Ob der Aufruf in andere Sprachen übersetzt werde, will er wissen.

„Wir haben ihn nur ins Russische übersetzt“, sagt Manfred Grätz, früher einmal Generalleutnant der untergegangenen Armee. „Wir haben uns beraten lassen. Es könnte sonst so aussehen, dass wir denen nicht zutrauen würden, nicht richtig Deutsch zu können.“ Wieder meldet sich der Journalist von der Jungen Welt: „Ich empfehle zu übersetzen.“ Die Männer am Podium murmeln zustimmend. Man werde das mal erörtern.

Ob sie denn am 9. Mai im Treptower Park einen Kranz niederlegen werden, will nun ein anderer Journalist wissen. Theodor Hoffmann nickt und sagt: „Wir nehmen an den geplanten Maßnahmen teil.“ Seine Leute werden aber nicht in NVA-Uniform auflaufen. Für solche Spektakel hatte mehrfach eine andere Truppe gesorgt. Die nennt sich „Traditionsverband NVA“.