Berlin - Die drei Herren stehen an diesem Mittwochnachmittag lachend in einer großen Lagerhalle in Tempelhof und halten mehrfarbige Ringelsöckchen für Frauen in die Höhe. Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos), SPD-Fraktionschef Raed Saleh und Eric Schweitzer, der Chef der Industrie- und Handelskammer (IHK) besuchen an diesem Tag mehrere Unternehmen. „Wie geht es dem Berliner Mittelstand?“ lautet das Motto der Tour.

Eigentlich sind solche Unternehmensbesuche die ureigene Aufgabe der Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz von der CDU. Doch die Senatorin wurde gar nicht erst gefragt. Die Idee zu der Tour sei vom neuen SPD-Fraktionschef ausgegangen, bestätigt IHK-Mann Schweitzer, der zumindest früher einen guten Draht zu der etwas verschlossen wirkenden Sybille von Obernitz hatte. Jetzt sei die Wirtschaftssenatorin sowie gerade in Urlaub gefahren, teilt man in ihrem Büro mit.

Nun stehen also die drei Herren in der riesigen Lagerhalle. Der türkische Berliner Hüseyin Memis hat das Europa-Zentrallager für seine Dameris-Socken auf dem denkmalgeschützten Krupp-Areal in Tempelhof angesiedelt, die 140 Millionen Strümpfe und Strumpfhosen seiner Firma werden aber weiter in der Fabrik in der Türkei hergestellt. Memis beklagt sich über die vielen Auflagen und die Auseinandersetzungen mit dem Denkmalschutz. Seit fünf Monaten kämpfe er für eine zusätzliche LKW-Einfahrt. Nichts bewege sich. „Unternehmer und Behörden nehmen bestimmte Dinge immer anders wahr“, sagt Senator Nußbaum. Auch Raed Saleh, dessen Mitarbeit an seiner Medienfirma mit 14 Angestellten inzwischen ruht, zeigt, dass er unternehmerisch denkt. Er fragt nach Marketingkonzept und Vertrieb. In seiner kommunikativen, ungezwungenen Art wirkt Saleh, der im palästinensischen Westjordanland zur Welt kam, wie das lebende Gegenteil der adligen Wirtschaftssenatorin.

Sybille von Obernitz hat, seit sie im Amt ist, sich bereits wieder von ihrer Pressesprecherin und ihrer persönlichen Referentin getrennt, und auch Peter Zühlsdorff, den Aufsichtsratsvorsitzenden der Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner, hat sie derart verprellt, dass er sein Amt aufgab. Selbst in der CDU lästern schon einige über die Amtsführung der Senatorin. Sie lasse sich nur schwer beraten, sei schroff und sehr misstrauisch.

Die drei Herren Nußbaum, Saleh und Schweitzer besuchen auch die BAE Batterien GmbH in Oberschöneweide. Der Niederländer Jan Ijspeert kaufte die Traditionsfirma vor einigen Jahren und produziert dort Großbatterien für Gabelstapler und Solaranlagen, aber auch für die Notstromversorgung in Krankenhäusern und Datenzentren. Die Arbeiter müssen darauf achten, bei der oft handwerklichen Arbeit nicht zu viel Blei aufzunehmen, viele tragen Mundschutz. Die Firma würde in Berlin auf einer benachbarten Brache eine weitere Produktionsstätte aufmachen. „Aber bei unseren Gesprächen sind wir bisher nicht vorangekommen“, sagt Ijspeert. Dabei habe man mit den Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und für Wirtschaft gesprochen. Schon wieder also eine Spitze gegen das Haus der Wirtschaftssenatorin. Saleh und Finanzsenator Nußbaum betonen sofort, sie würden sich der Sache mal annehmen.