Kritik an Wirtschaftssenatorin: Frau von Obernitz hadert mit den Wirtschaftsherren

Berlin - CDU-Chef Frank Henkel sah sich am Donnerstag genötigt, seine Wirtschaftssenatorin offen in Schutz zu nehmen. Über Sybille von Obernitz (parteilos) waren in den letzten Tagen einige Berichte erschienen, in denen sie ziemlich schlecht dastand. Ungenannte Wirtschaftsleute kritisierten sie und ihren Stil. Henkel intervenierte jetzt eindeutig. „Frau von Obernitz macht ihre Sache sehr gut“, sagte er.

„Ich erlebe sie als Senatorin, die sich akribisch in Sachverhalte einarbeitet, fundiert eine Meinung bildet und diese selbstbewusst vertritt“, fügte er hinzu. Auch CDU-Fraktionschef Florian Graf fand nur lobende Worte. Von Obernitz sei eine gute Besetzung.

Damit scheinen sich die Reihen hinter ihr wieder zu schließen. Jedenfalls auf der Ebene offizieller, zitierbarer Wortmeldungen. Denn intern und hinter vorgehaltener Hand wird innerhalb der CDU weniger freundlich über sie geredet. Es sind aber offenbar Stilfragen. Deutlich wird ihre Distanziertheit hervorgehoben, von atmosphärischen Störungen ist die Rede.

Zu forsch, zu schroff

Anfragen zu Vorträgen in Kreisverbänden etwa, also an der interessierten Parteibasis, würde sie nur zögerlich nachkommen, heißt es in der Union. Bei den Senatsvorbesprechungen, die Henkel gelegentlich mit deftigem Humor führt, fällt Teilnehmern schon mal auf, das sie die einzige ist, die nicht lacht. Sie habe eine gewisse Härte, heißt es, die nicht hilfreich sei in dem Job, sagt ein hochrangiges CDU-Mitglied.

Sie selbst führte das jetzt öffentlichkeitswirksam in der Bild-Zeitung auf einen Geschlechterkonflikt zurück. In der Männerdomäne Berliner Wirtschaft, in der sie jetzt mitzuentscheiden hat, hätten „einige wenige Leute“ offenbar ein Problem damit, dass „eine Frau Wirtschaftssenator ist“, wird sie zitiert.

Ausgangspunkt scheint ein Zwist zwischen ihr und dem Ex-Aufsichtsratschef von „Berlin Partner“, Peter Zühlsdorff, zu sein. Bei einem Gespräch in der Behörde, in dem die 49-Jährige ihm mitteilen wollte, dass sie mehr Einfluss auf die hauptsächlich vom Land finanzierte Wirtschaftsfördergesellschaft nehmen wolle, scheiterte die Kommunikation offenbar rettungslos.

Zühlsdorff, 71, steinreicher Ex-Manager mit ebenso viel Erfahrung wie Sendungsbewusstsein, legte sein Amt am selben Tag nieder. Damit brachen die Dämme, ein anonymes Schelten „aus Wirtschaftskreisen“ schwoll bedrohlich an. Sie wirke verkrampft, trete zu forsch auf, sei schroff. Eine neue Senatorin, die sich noch einarbeiten müsse, „sollte lieber etwas zurückhaltender sein“, sagt ein Verbandsvertreter. Sie könne ihre politischen Ziele gar nicht darlegen, sagt ein anderer.

„Sie macht einen guten Job“

Inzwischen lässt die Aufregung nach. Unterstützerbotschaften mit Klarnamensnennung häufen sich. Neben Henkel teilte auch IHK-Chef Eric Schweitzer mit, dass er zu von Obernitz „ein gutes Arbeitsverhältnis“ pflege. „In einer strukturell nicht einfachen Situation macht sie einen guten Job“, sagte er. Auch der Präsident des Wirtschaftsclubs VBKI, Markus Voigt, zeigte sich verwundert über die konfrontative Debatte. Er habe bisher nur „konstruktive Gespräche“ mit der Senatorin geführt. „Wenn jemand Neues ein Amt übernimmt, dann kommt auch ein neuer Stil“, sagte Voigt. Daran sei nichts Ungewöhnliches.