Kritik der Rabbinerkonferenz Deutschland: Tumulte in Jüdischer Gemeinde Berlin

Berlin - Die Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschland hat die Zustände in der Jüdischen Gemeinde der Hauptstadt scharf kritisiert. So dürfe es nicht weitergehen, „zu unser aller Wohl“, erklärte der Präsident des jüdisch-liberalen Dachverbandes, der langjährige niedersächsische Landesrabbiner Henry Brandt, in einem am Montag verbreiteten Offenen Brief an den Vorstand der Gemeinde.

„Ich finde es beschämend, in ausländischen Zeitungen über die ’chaotischen Zustände’ in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin lesen zu müssen“, schreibt Brandt und führt aus, was er meint: Handgreiflichkeiten in der Gemeinderatssitzung, willkürliche und vorverurteilende Hausverbote, Abwürgen demokratischer Diskussionsprozesse sowie leichtfertiges Aufs-Spiel-Setzen der Zusammenarbeit mit dem Senat.

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Als zahlenmäßig bedeutendste Gemeinde sei die Berliner Einheitsgemeinde das „Flaggschiff“ der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. „Schon aus diesem Grund sind die jüngsten Ereignisse in der Berliner Jüdischen Gemeinde keine reinen inneren Angelegenheiten, sondern von direktem Belang für uns alle, denn wir sitzen – wohl oder übel – im selben Boot“, schreibt Brandt. An Vorstand und Repräsentantenversammlung appelliert der Landesrabbiner, „ihr Haus in Ordnung zu bringen“: „Selbstredend sind Redlichkeit und Transparenz des Handelns unverzichtbare Voraussetzungen in der Führung einer jüdischen Gemeinde“, so Brandt.

Die mit rund 10.000 Mitgliedern größte Jüdische Gemeinde Deutschlands ist seit Jahren zerstritten. Kritiker werfen dem Vorstand unter dem Vorsitzenden Gideon Joffe Misswirtschaft und Intransparenz vor. Wegen eines unvollständigen Wirtschaftsplanes hat der Berliner Senat seine Zuschüsse an die Gemeinde gestoppt.

Vorläufiger Tiefpunkt der Auseinandersetzungen war Mitte Mai eine Schlägerei im Gemeindeparlament, der Repräsentantenversammlung. Die Opposition boykottierte daraufhin in der vergangenen Woche eine Sitzung. Mit einer Neuwahl-Initiative will sie zudem die Abwahl Joffes und des regierenden Koach-Blockes erzwingen. Nach Angaben der Opposition seien die für einen Antrag auf Neuwahlen nötigen Unterschriften mittlerweile fast zusammen gekommen. Vom Gemeindevorsitzenden Gideon Joffe war am Montag keine Stellungname zu bekommen.