Seit Januar 2015 ist das Kronprinzenpalais der Schauplatz des Berliner Mode Salons, initiiert von der Chefredakteurin der deutsche Vogue, Christiane Arp, und dem Modemanager Marcus Kurz von der Agentur Nowadays. Das Format will an die Salonkultur des 18. und 19. Jahrhunderts anknüpfen und versteht sich als Impulsgeber für einen neuen Geist in der deutschen Mode. In einer Gruppenausstellung präsentieren renommierte wie aufstrebende Labels ihre Entwürfe der Presse und den Einkäufern. Waren es in der ersten Saison lediglich 18 Labels, sind es in der siebten Ausgabe des Salons, der am Dienstag ab 13 Uhr seine Türen öffnet, 40 Marken. Höchste Zeit, einen Blick in die Historie des Hauses zu werfen.

Testfrage an die Lokalpatrioten: Wann wurde das Kronprinzenpalais Unter den Linden gebaut? Nicht 1663, als hier das erste, bürgerliche Wohnhaus entstand. Auch nicht 1732, als dieser kleine Bau eine etwas monumentalere barocke Fassade erhielt. Es ist tatsächlich nicht der Bau von 1732, der für Kronprinz Friedrich, später der Große genannt, umgebaut wurde. Und auch nicht der von 1857, als Johann Heinrich Strack für Prinz Friedrich Wilhelm, den späteren Kaiser Friedrich III, das barocke Palais mit einer spätklassizistischen Säulenfassade versah. Nein, dieses seit etwa 1990 Kronprinzenpalais genannte Gebäude entstand 1968 bis 1970 an der Stelle der einstigen Residenz, die im Krieg beschädigt und deren Ruinen in den 50er-Jahren abgeräumt worden waren.

Architekt war Richard Paulick, der mit der Staatsoper einige Meter weiter bereits ein Meisterwerk des stalinistischen Neu-Rokoko entworfen hatte. Er erweiterte den historischen Plan um ein Geschoss auf dem Seitenflügel, die Säulenhalle wurde um die Ecke gezogen, ein Wandelgarten erstreckt sich bin hin zu einem zierlichen Gartenpavillon. Innen wurde der Neubau im gemäßigt modernistischen Repräsentationsstil eingerichtet. Mit Wandvertäfelungen, strengen Achsen, großem Treppenhaus und Deckenleuchtern trägt das Interieur auch neuklassizistische Züge.
Das „Palais Unter den Linden“ wurde dieser Neubau bis 1990 historisch durchaus korrekt genannt– schließlich residierte hier nie ein Kronprinz oder gar, wie Friedrich Wilhelm III. von 1797 bis 1840 ein König in diesem Haus.

Es gehörte als Gästehaus des Magistrats zu dem großen, mit der 1955 eingeweihten Staatsoper begonnenen Projekt „Forum Fridericianum“, mit dem Paulick der DDR einen repräsentativen Staatsauftritt möglich machen wollte. Er sorgte dafür, dass der Verwaltungsbau und das Café neben der Staatsoper in Erinnerung an das im Krieg zerstörte Prinzessinnen-Palais 1962 in historisierenden Formen wieder entstand. Dazu gehörten auch das Wilhelms-Palais oder die Kommode, die beide von der Humboldt-Universität genutzt werden. Durchweg handelt es sich um Neubauten, die innen modern gestaltet wurden, außen aber das friderizianische Preußen und dasjenige Schinkels zitierte.

Paulicks Projekte nahmen jene Entwicklung voraus, die in den 1980er-Jahren dazu führte, dass die DDR zunehmend die Erinnerung an die deutschen Monarchien zur historischen Legitimierung ihres Machtanspruchs vereinnahmte. Sie legten aber auch den Grundstein dazu, dass Berlin auch eine Stadt der nachgebauten Fassaden und falschen Hausnamen ist: Denn in keinem dieser Gebäude geschah jemals das, was ihr Name als Erinnerung verspricht. Auch im Kommandantenhaus wohnte nie ein Berliner Stadtkommandant, es entstand 2003 nach den Plänen von Thomas de Valentyn und der Fassadenrekonstruktion der Architekten R. &. Y. Stuhlemmer. Sie lieferten damit das Probestück für die ebenfalls von ihnen betreuten Nachbau der Schlossfassaden.

Im Kronprinzenpalais wurde 1972 die Unterzeichnung des Grundlagenvertrags zwischen der DDR und der Bundesrepublik gefeiert, wurde 1990 der Einigungsvertrag zwischen den deutschen Staaten ausgehandelt und unterzeichnet.

Einrichtung des Humboldt-Forums geplant

Nach 1990 gab es viele Überlegungen, wie das Gebäude adäquat zu nutzen sei. Zeitweilig war der Bau als Berliner Residenz des Bundespräsidenten oder als Kanzleramt im Gespräch. Beides zerschlug sich an Platz- und Sicherheitsfragen. Die Staatlichen Museen zuckten immer wieder zurück, genau so das Deutsche Historische Museum, weil der Denkmalschutz eine Nutzung als Ausstellungsraum behindert hätte. Auch das geplante Zentrum gegen Flucht und Vertreibung war als Nutzer im Gespräch. Noch in den jüngsten Plänen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz für eine Bildungsakademie spielte es eine Rolle.

Derzeit wird im Kronprinzenpalais die Einrichtung des Humboldt-Forums geplant. Was nach dessen Eröffnung geschehen soll, ist weiter offen. Da kommt der Berliner Mode Salon gerade recht. (mit bs.)