Berlin - Der Streit um die Zukunft der Kudamm-Bühnen wird immer absurder. Während der Investor des Kudamm-Karrees eine Einigung mit den Betreibern der dortigen Theaterbühnen suggeriert, weisen diese dies strikt zurück. „Es ist viel zu früh. Es gibt weder Verträge noch Vereinbarungen“, sagte Martin Woelffer, Intendant von Komödie und Theater am Kurfürstendamm am Montag.

Wie berichtet, sollen bei einem Umbau des Kudamm-Karrees die beiden oberirdischen Bühnen abgerissen werden. Stattdessen soll ein einziges unterirdisches Theater entstehen. Kritiker sprechen despektierlich von einem „Kellertheater“.

Kritik vom Intendanten

Nach anfänglicher Kritik von Intendant Woelffer an den Neubauplänen wurde dieser  zu zwei Workshops eingeladen. Dabei hatte er unter anderem vorgebracht, dass man auch in einem neuen Theatersaal historische Elemente verwenden sollte. „Das war sehr konstruktiv“, sagt Norman Schaaf, Geschäftsführer des Investors Cells Bauwelt. Jetzt solle „der ganze Look and Feel  zeigen, dass das Alte im Neuen weiterlebt“. Etwas in der Art wollte Cells offenbar nächsten Dienstag der Öffentlichkeit präsentieren – zusammen mit Martin Woelffer. Doch die Einladung war mit diesem nicht abgesprochen. Woelffer fühlt sich übergangen und instrumentalisiert. Der Eklat ist perfekt.

Passend zu diesen Eskapaden  häufen sich  verstörende Meldungen über   die offenbar sehr verschlungenen Beteiligungsverhältnisse bei den Investoren des Kudamm-Karrees. Unstrittig scheint zu sein, dass der Firma Cells Bauwelt aus  München eine Hälfte des heruntergewirtschafteten  Einkaufszentrums in bester City-West-Lage gehört. Aber wem gehört die andere Hälfte?

Aufgescheucht durch  Berichte über Beteiligung von Firmen, die in den berüchtigten Panama Papers auftauchen, sowie Gerüchten um Anteile russischer Geschäftsleute, die Embargos unterliegen, stellte Cells jetzt klar: Aktionär der – tatsächlich in Panama ansässigen – Firma, der die Immobilie zur anderen Hälfte gehöre, sei der russisch-stämmige Geschäftsmann Mikhail Opengeym. Zuletzt habe dieser 2008 – und „auch nur kurz“, wie es  aus München heißt – mit und für die  Milliarden-schweren Brüder Arkadi und Boris Rotenberg gearbeitet. Arkadi Rotenberg gilt als langjähriger  Freund von Russlands Präsident Wladimir Putin, sein Bruder Boris als dessen alter Judo-Partner. Voriges Jahr erhielt Arkadi Rotenberg den Zuschlag zum Bau der Brücke, die die annektierte Krim mit dem russischen Festland verbinden soll. Seit ihrer Unterstützung für die Separatisten in der Ost-Ukraine stehen die Rotenbergs auf einer schwarzen Liste der Europäischen Union. Das bedeutet, dass sie in der EU keine Geschäfte tätigen dürfen.

Geldwäsche geprüft

Deshalb besteht  Cells-Mann Norman Schaaf auf der Feststellung, dass man  eben nicht mit Rotenbergs zusammenarbeite. Die staatliche irische Badbank Nama, die Bayerische Landesbank und  die Europäische Zentralbank hätten die Beteiligungen auch unter Berücksichtigung des Geldwäschegesetzes geprüft und teils mit eigenem Geld unterstützt, so Schaaf.

Bleibt die Frage, wie der Konflikt mit den Theatermachern gelöst werden kann. Er sei „sehr überrascht“ von Woelffers harscher Reaktion, so Schaaf. „Ich kann es nicht erzwingen. Wenn er nicht mit uns zusammenarbeiten will, treiben wir unsere Planungen  voran und suchen nach Alternativen.“ Schließlich fühle man sich an die Zusage  gebunden, am Standort ein Theater zu bauen. Aber das gehe  natürlich auch ohne Martin Woelffer.