Im ehemaligen Stasi-Gefängnis betreiben Betroffene und Zeitzeugen Erinnerungsarbeit.
Foto: Imago/Jürgen Ritter

BerlinDie gerichtlichen Auseinandersetzungen um die Kündigungen von Führungspersonal in der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen neigen sich dem Ende zu. Am Mittwoch verkündete eine Kammer des Arbeitsgerichts, dass die Kündigung des langjährigen Vize-Direktors der Gedenkstätte im vergangenen Jahr rechtens war. Ob damit tatsächlich in Hohenschönhausen wieder die inhaltliche Arbeit in den Vordergrund rücken kann, wird sich aber erst zeigen.

Der Spruch des Vorsitzenden Richters Arne Boyer am Mittwochmorgen war glasklar: Helmuth Frauendorfer, seit acht Jahren Vize in Hohenschönhausen, ist zurecht gekündigt worden. Frauendorfer habe Frauen aus der Gedenkstätte gegenüber – darunter Volontärinnen und Praktikantinnen – kein „angemessenes Verhalten“ an den Tag gelegt. So habe Frauendorfer mehrfach „inadäquate Gesprächssituationen entstehen lassen“, etwa, in dem er Vorstellungsgespräche im Restaurant führte. Frauendorfer sei uneinsichtig gewesen. Entscheidend sei, dass er trotz Belehrungen durch den Chef nicht habe erkennen lasse, dass er sich ändern würde, so Richter Boyer. Das rechtfertige die Kündigung.

Der Richter legte Wert darauf, dass damit nichts über den Wahrheitsgehalt der Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gesagt sei. Das sei zur Urteilsfindung auch nicht notwendig gewesen, sagte Boyer.

Frauendorfers Fall steht in einem größeren Zusammenhang. Hubertus Knabe, politisch streitbarer Gründungsdirektor der Gedenkstätte, war vor einem Jahr gekündigt worden, weil die Senatskulturverwaltung dort einen Mentalitätswechsel herbeiführen wollte. Über Jahre hatten sich Berichte über sexistisches Verhalten gehäuft. Insgesamt rund ein Dutzend Frauen hatte darüber geklagt. Knabe, so die Vorwürfe, sei nicht entschieden genug gegen solches Verhalten vorgegangen.

Hoffnung auf Neuanfang

Knabes Kündigung hatte ein politisches Nachspiel. In Opferverbänden und auch in der CDU zeigten sich etliche empört. Sie sahen in der Kündigung des Antikommunisten Knabe eine Intrige von Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Dass Lederer Unterstützung von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erhielt, sorgte für  Unruhe in der Partei, deren Berliner Landesverband Grütters damals vorstand. Inzwischen haben sich die Wogen geglättet – auch weil die CDU-Fraktion jetzt einen Untersuchungsausschuss fordert, der die Hintergründe von Knabes Kündigung beleuchten soll.

Während sich Knabe nach seiner Kündigung mit der Gedenkstättenstiftung außergerichtlich einigte, ging sein Vize weiter dagegen vor. Jetzt könnte Frauendorfer die nächste Instanz, das Landesarbeitsgericht, anrufen. Zur Urteilsverkündung am Mittwoch war weder Frauendorfer noch sein Anwalt anwesend.

Dagegen verfolgte Knabes Nachfolger Helge Heidemeyer die Verkündung gespannt. Anschließend sagte der neue Gedenkstätten-Direktor, er sei „glücklich, dass das Gericht voll und ganz unsere Auffassung gefolgt ist“. Er sei auch „froh, dass sich das Engagement der Frauen“ um ein anderes Klima in der Gedenkstätte gelohnt habe. Im Übrigen sei es „prima, dass der Fokus jetzt wieder auf der wichtigen Arbeit der Gedenkstätte“ liege. Die juristischen Auseinandersetzungen hätten die Arbeit belastet. Alle seien erleichtert, „dass das keine Rolle mehr spielt“.