BerlinEs mag für mehrere zehntausend Mieter in Berlin wie ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk anmuten, dass sie zum 23. November weniger Miete zahlen müssen. Dann nämlich tritt die zweite Stufe des Mietendeckels in Kraft, nach der eine Miete verboten ist, die die zulässigen Obergrenzen um mehr als 20 Prozent überschreitet. So sehr vielen Haushalten eine finanzielle Entlastung zu wünschen wäre - für echte Freude ist es zu früh. Denn noch ist offen, ob der Mietendeckel vor dem Bundesverfassungsgericht Bestand hat. 

Voraussichtlich erst im ersten Halbjahr 2021 wird es Klarheit geben. Dann nämlich wollen die Karlsruher Richter ihr Urteil über den Mietendeckel fällen. Bis dahin ist jeder Mieter gut beraten, die gesparte Miete zurückzulegen, um für den Fall, dass die Richter den Mietendeckel kassieren, auf etwaige Nachforderungen der Vermieter reagieren zu können. Klar ist aber auch, dass nicht alle Mieter diesem Rat folgen werden.

Großen Vermietern wie den börsennotierten Wohnungsunternehmen stünde es deswegen gut an, für den Fall, dass das Bundesverfassungsgericht den Mietendeckel kippt, zu garantieren, dass kein Mieter wegen Zahlungsverzugs seine Wohnung verliert. Sie haben schließlich in den vergangenen Jahren gut verdient. Das heißt nicht, dass sie auf ihnen zustehende Zahlungen gänzlich verzichten sollen. Denn das könnte als Aufforderung missverstanden werden, das Geld auszugeben statt es zurückzulegen. Vermieter, die finanziell stark genug sind, könnten den Mietern aber die Möglichkeit geben, die Zahlungen zeitlich zu strecken.

Gerade in einer Zeit, in der die Unsicherheit durch die Corona-Krise wächst, wäre eine solche Kündigungsschutz-Garantie im Streit um den Mietendeckel ein Signal für den sozialen Zusammenhalt. Zumindest die landeseigenen Unternehmen könnten ja schon mal mit gutem Beispiel vorangehen.