Noch werden die Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof  als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt, doch die Pläne für die Zeit danach stehen schon fest – zumindest in groben Zügen. „Wir wollen das ehemalige Flughafengebäude zu einem Standort für die Kultur- und Kreativwirtschaft  entwickeln“, sagt Holger Lippmann, Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH. Aufgabe der landeseigenen Gesellschaft ist es, die riesige Immobilie zu vermarkten.

Die Zukunft soll schon in diesem Jahr beginnen. Zu Beginn der Spielzeit 2017/18 will die Volksbühne zu diversen Veranstaltungen im Hangar 5 einladen,  sagt die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Petra Rohland. Darüber hinaus werde zurzeit daran gearbeitet, den ehemaligen Flughafen-Tower für Besucher zu öffnen. Im Jahr 2019 soll das verglaste Bauwerk, in dem früher die Fluglotsen saßen,  zu besichtigen sein – samt angeschlossener Dachterrasse. Beste Aussicht über das Tempelhofer Feld ist garantiert. Sofern die Flüchtlinge die Hangars bis zum Sommer verlassen, können die Bauarbeiten in dem Bereich ab Mitte 2017 starten.

Alliierten-Museum kommt

 Zugleich soll die Ausbauplanung für den Einzug des Alliierten-Museums im Hangar 7 beginnen. Der Bund hat bereits im Jahr 2015 rund 27 Millionen Euro für den Umzug des Museums von der Clayallee nach Tempelhof bewilligt. Also an den Standort, der während der Blockade West-Berlins wichtigster Landeplatz der Luftbrücken-Flugzeuge war. Im Hangar 7 sollen die Großobjekte des Alliierten-Museums in den Mittelpunkt einer Dauerausstellung gestellt werden. Dazu gehören ein britisches Transportflugzeug, das während der Luftbrücke eingesetzt wurde, die zur Ikone gewordene Kontrollbaracke vom Grenzübergang Checkpoint Charlie, ein Waggon des französischen Militärs, ein Helikopter der US-Armee, Panzer und Überreste eines Berliner Spionagetunnels.

Um die Vergangenheit des früheren Airports geht es auch auf dem Dach. Dort soll eine Geschichtsgalerie entstehen. „Für das Projekt rechnen wir mit einem Baubeginn Anfang 2019“, sagt Behördensprecherin Petra Rohland.

Ganz aktuell sucht die Tempelhof Projekt GmbH für ein ehemaliges Wachhäuschen am Columbiadamm 10, gleich gegenüber der Columbiahalle, einen Pächter, der dort ein Café oder Bistro betreiben möchte. Möglichst noch in dieser Sommersaison soll das Geschäft eröffnen, um neues Leben in die Service-Wüste zu bringen.

Sehr viel größer als das ehemalige Wachhäuschen ist das Gebäude am Platz der Luftbrücke, für das die Tempelhof Projekt GmbH unter dem Kürzel H2rund einen Investor sucht. H2rund war einer der ersten fertiggestellten Bauteile des Flughafens Tempelhof. Als erster Mieter zog hier einst die Deutsche Lufthansa ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die USA das Gebäude  als Offiziershotel mit Kasino. Künftig soll hier das Besucherzentrum für das Flughafenareal eingerichtet werden. Auf weiteren Flächen im Gebäude H2rund sollen sich Kreative aus der Start-up-Szene ansiedeln. Tempelhof Projekt hat bereits vor geraumer Zeit ein Vergabeverfahren gestartet, mit dem ein Investor für das Gebäude gesucht wird. Noch ist jedoch nichts entschieden. Wie es weitergeht, soll der Aufsichtsrat bei seiner nächsten Sitzung festlegen.

Schadensersatz gefordert

Die Sanierung des Flughafengebäudes hat sich durch die Unterbringung der Flüchtlinge verzögert. Betroffen davon sind die geplante Reparatur des Daches von Hangar 1, die Sanierung des überdachten Vorfeldes und der Ausbau des Airports zur dauerhaften Versammlungsstätte, so Petra Rohland. Insgesamt mussten im Jahr 2016 Bauarbeiten für 6,3 Millionen Euro verschoben werden. Sie sollen voraussichtlich 2018 nachgeholt werden. Für die Sanierung der übrigen Teile des Flughafengebäudes soll ein „bauteilbezogenes Nutzungskonzept“ erarbeitet werden. Eine Ausschreibung des Auftrags wird zurzeit vorbereitet.

Weil die im ehemaligen Flughafen Tempelhof geplanten Veranstaltungen im Jahr 2016 und 2017 wegen der Flüchtlingsunterbringung alle abgesagt werden mussten, haben mehrere Veranstalter Schadensersatz gefordert. „Bisher wurden Schadensersatzforderungen von insgesamt zirka fünf Millionen Euro erhoben“, sagt Behördensprecherin Petra Rohland. Einig geworden ist sich die Tempelhof Projekt GmbH mit den Veranstaltern der Jobmesse Connecticum. Mit dieser sei ein Vergleich geschlossen worden, sagt Rohland.

Auch mit den Veranstaltern des Deutschen Pflegetages sei ein Vergleich ausgehandelt worden. Diesem muss jedoch noch der Aufsichtsrats der Tempelhof Projekt GmbH zustimmen. Weitere Vergleichsverhandlungen mit dem SCC Running, dem Veranstalter der Messe Berlin Vital zum Halbmarathon und zum Berlin-Marathon, laufen noch. Zur Höhe der jeweils geforderten Beträge  wurden keine Angaben gemacht.