Berlin - Welches Gymnasium oder welche Sekundarschule passen zu meinem Kind? Viele Eltern haben sich in den vergangenen Wochen diese Frage gestellt. Nun aber sind die Tage der Entscheidung gekommen. Ab diesem Dienstag haben die Eltern zwei Wochen Zeit, ihren künftigen Siebtklässler an der passenden Oberschule anzumelden.

Auf dem Anmeldebogen können sie dabei einen Erst-, Zweit- und Drittwunsch angeben. Erst nach Monaten werden sie dann vom bezirklichen Schulamt erfahren, ob es an der Wunschschule geklappt hat. „Wichtig ist es darauf zu achten, welche Schule das Kind gut findet“, empfiehlt Norman Heise, Berlins oberster Elternvertreter. „Denn das Kind, nicht die Eltern werden diese Schule über viele Jahre besuchen.“ Außerdem rät Heise dazu, nicht nur die nachgefragtesten Schulen auszuwählen.

Schwieriges Aufnahmeverfahren

An jenen Gymnasien oder Sekundar- und Gemeinschaftsschulen, die mehr Anmeldungen als Plätze haben, greift erneut das komplizierte Aufnahmeverfahren: 60 Prozent der Plätze werden meist nach Grundschul-Notenschnitt vergeben, zehn Prozent sind für Härtefälle reserviert und 30 Prozent werden schlicht verlost. Übernachgefragt war im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte der Berliner Gymnasien und Sekundarschulen. Wer dort nicht zum Zuge kommt, muss oft auf eine eher unbeliebte Schule wechseln. „Man sollte nicht nur die beliebtesten Schulen auf dem Wunschzettel haben“, sagt Ruby Mattig-Krone, Qualitätsbeauftragte der Bildungsverwaltung.

Im vergangenen Jahr hatten vier Sekundarschulen sogar doppelt so viele Bewerber wie Plätze zur Verfügung: Die Reinickendorfer Max-Beckmann-Schule, die Spandauer Martin-Buber-Schule, die Lichtenrader Carl-Zeiss-Schule sowie die Sophie-Scholl-Schule in Schöneberg – alles traditionsreiche ehemalige Gesamtschulen.

Die Gymnasien sind nicht immer derart überrannt. Spitzenreiter im vergangenen Jahr war erstmals das Schöneberger Robert-Blum-Gymnasium, wo 90 Schüler abgelehnt werden mussten. Dahinter rangierten das Friedenauer Rheingau-, das Lichtenberger Barnim-Gymnasium sowie das John-Lennon-Gymnasium in Mitte.

Wenig Oberschulplätze in Pankow

Allerdings können sich Eltern daran nicht wirklich orientieren. Denn oft ist eine besonders begehrte Schule dann im Jahr darauf nicht mehr so nachgefragt, weil viele denken, dass eine Bewerbung dort aussichtslos sei. So hatte im vergangenen Jahr das beliebte Rosa-Luxemburg-Gymnasium in Pankow überraschend noch freie Plätze. Dabei ist es in Pankow ganz eng mit den Oberschulplätzen. Zuletzt mussten die meisten Gymnasien und Sekundarschulen zahlreiche Bewerber ablehnen. Einige kamen sogar nur noch in anderen Bezirken unter, wo sie gar nicht hinwollten.

Mitunter empfiehlt es sich, den Anmeldebogen erst in den letzten Tagen abzugeben. Dann geben manche Schulleiter informell einen Tipp, bis zu welchem Notenschnitt das Kind eine realistische Chance auf Aufnahme hat – ohne auf das Los hoffen zu müssen.

In Zukunft steigen die Schülerzahlen wieder, es wird also noch enger. Stadträte betonen, dass es ja bis zum Schuljahresbeginn im Sommer immer noch Bewegung gebe. „Mitunter werden an einer Schule noch mehr Klassen eingerichtet – oder angemeldete Kinder entscheiden sich doch noch für eine Privatschule“, heißt es.

Eigenes Profil

Die Berliner Schullandschaft ist generell sehr vielfältig. Viele Gymnasien und Sekundarschulen haben ein eigenes Schulprofil, sind musisch, sprachlich oder mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichtet. Die Anmeldungen für die Gymnasien sowie die Gustav-Heinemann-Sekundarschule, die alle bereits mit der 5. Klasse beginnen, finden vom 1. bis 8. März statt. Hier sind oft noch Testes nötig. Der Test für die Schnelllernerklassen an einigen Gymnasien hat bereits stattgefunden.

Generell gilt: Die Schule kann noch so einen guten Ruf haben. Letztlich ist entscheidend, ob das Kind gut mit dem Klassenlehrer und den eingeteilten Fachlehrern und natürlich den Mitschülern zurechtkommt.