Kreuzberg - Sie lebte für die Kunst und Literatur. Jetzt ist Ewa K. (41) tot. Die Kreuzberger Künstlerin mit polnischen Wurzeln wurde bei einem Feuerwehreinsatz blutüberströmt mit Stichverletzungen aus ihrem Wohnungsatelier geholt. Jetzt ermittelt die Mordkommission.

Die Tat passierte am Freitagabend in einem Hinterhaus an der Pücklerstraße, gegenüber der Kreuzberger Markthalle. Um 21.44 Uhr alarmierten Anwohner die Feuerwehr, weil sie Brandgeruch aus der 60 Quadratmeter großen Zwei-Zimmer-Wohnung in der ersten Etage rochen.

Als die Rettungskräfte eintrafen, hatte das Feuer bereits auf Möbel übergegriffen. Auf dem Boden entdeckten Retter die leblose Künstlerin, umringt von giftigem Rauchgas und Flammen.

Die Brandbekämpfer hatten die Malerin in den Innenhof getragen, um sie dort zu reanimieren. Doch für die 41-Jährige kam jede Hilfe zu spät. Die Frau war mutmaßlich erstochen worden.

„Im Moment gibt es Hinweise darauf, dass das Feuer als Verdeckungstat dienen könnte“, sagt Polizeisprecher Michael Maaß. Nach Informationen dieser Zeitung wurde Ewa K. vor der Brandstiftung attackiert. Sie muss den Täter gekannt haben, ließ ihn ahnungslos zu sich herein. Ob es dann zu einem Streit zwischen den beiden kam, ist bisher unklar.

Mindestens ein Zeuge will nach Ausbruch des Feuers gesehen haben, wie ein Mann aus ihrem Fenster krabbelte, die Fassade an einer Regenrinne runterkletterte, dann über einen Zaun zum Nachbargrundstück sprang und wegrannte.   

Unterstützung aus der Bevölkerung

Die Mordermittler versuchen jetzt, den letzten Tag von Ewa K. zu rekonstruieren. Dabei hofft die Polizei auf Unterstützung aus der Bevölkerung. Möglicherweise stammt ihr Mörder sogar aus dem näheren Umfeld der Künstlerin.

Nachbarn beschwerten sich seit fünf Jahren, dass die extrovertierte Frau zu viele Partys feierte und andauernd Lärm machte. Mit einer Unterschriftensammlung wollten sie Ewa K. aus ihrer Wohnung drängen. „Die ganzen Männerbesuche fanden wir auch ziemlich sonderbar“, meint einer ihrer Nachbarn. Die Polizei prüft nun einen Zusammenhang.

Ewa K. hinterlässt einen Sohn (10), der woanders lebt. Die gelernte Maskenbildnerin studierte Kunst und gab Lesungen. Sie war Kuratorin und stellte ihre Werke für die Konrad-Adenauer-Stiftung in ganz Europa aus.  In den ihren letzten drei Jahren hatte sie häufig Geldsorgen. Eine Raubtat ist deshalb unwahrscheinlich.