Die umstrittenen Stahlsäule des Künstlerkollektivs "Zentrum für politische Schönheit" gegenüber dem Reichstagsgebäude wurde nun abgebaut.
Foto: Paul Zinken/dpa

BerlinDas Künstlerkollektiv „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS) hat am Donnerstag seine umstrittene Stahlsäule vor dem Reichstagsgebäude in Berlin abbauen lassen. Das bestätigte ZPS-Sprecher Philipp Ruch der Deutschen Presse-Agentur. Am Freitag hätte das Bezirksamt Mitte ansonsten mit der Beseitigung der inzwischen einbetonierten Säule begonnen, wie Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) sagte.

Elio Adler, Vorsitzender des jüdischen Vereins Werteinitiative, sagte der Berliner Zeitung dazu: „Gut, dass diese anmaßende Inszenierung vorbei ist. Auch, wenn das ursprüngliche Ansinnen wohl gut gemeint war, hätte das ZPS frühzeitig erkennen können, dass die Aktion völlig daneben geht." Das ZPS habe sich in Widersprüche verstrickt und überheblich auf Kritik reagiert. „Das macht jede angebliche Entschuldigung unglaubwürdig", so Adler. Die Werteinitiative erwarte, dass das ZPS die Kosten für die Beseitigung, mögliche Schäden und gegebenenfalls Bußgeld selbst trage.

Heftige Kritik an der Verwendung von Asche von Holocaust-Opfern 

Das für umstrittene Aktionen bekannte ZPS stand für das Aufstellen der Säule von Beginn an in der Kritik. Es hatte behauptet, die Stele enthalte Asche von Opfern der Massenmorde der Nazis. Das ZPS hatte die Asche nach eigenen Angaben anschließend entfernt und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) übergeben, die sie auf einem jüdischen Friedhof beigesetzt hatte, wie die ORD bestätigte.

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Das Bezirksamt hatte den Verantwortlichen eine Frist zur Beseitigung bis zum 20. Dezember gesetzt, der das Künstlerkollektiv widersprochen hatte. ZPS-Sprecher Ruch begründete den Abbau der „Gedenkstätte“ mit der nun erfolgten Abweisung des Einspruchs.

ZPS räumte Fehler ein 

Anfang Januar hatte eine Gruppe von etwa 20 Menschen, darunter auch jüdische Aktivisten, versucht, die Säule abzubauen. „Mit Asche von Opfern des Holocaust sollte man keine Kunst und Politik machen“, hatte der Autor Eliyah Havemann, Nachfahre eines Holocaust-Opfers, zur Begründung gesagt.

Im Interview  mit der Berliner Zeitung hatte Philipp Ruch, Sprecher des ZPS, am Montag Fehler eingeräumt. Es sei ein Fehler gewesen, anzunehmen, „dass es notwendig sei, die Asche ins Regierungsviertel zu holen, um die Kräfte der Geschichte wachzurufen". Die Aktion hätte auch ohne die Asche funktionieren können. Das sei eine gute Nachricht. Für das Künstlerkollektiv soll die Aktion laut Ruch der letzte und einzige direkte Kommentar zum Holocaust bleiben. (ann/dpa)