Für etwa jedes zehnte Paar bleibt ein Kind ein unerfüllter Traum, schätzen Wissenschaftler, und künstliche Befruchtung ist mit bis zu 3 100 Euro teuer. Im Abgeordnetenhaus ist deshalb ein Streit zwischen der rot-rot-grünen Koalition und der CDU entbrannt:

Die Koalition hat die Mittel halbiert, die Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) für den Doppelhaushalt 2018/2019 angesetzt hatte, um Paaren bei der „assistierten Reproduktion“ zu helfen. Die Debatte könnte bundespolitische Folgen haben.

„Rot-Rot-Grün finanziert lieber neue Drogenkonsumräume“

600.000 Euro pro Jahr sollte das Parlament nach Kolats Willen genehmigen. Der Bund hätte die gleiche Summe gegeben. Nach dem Eingriff der Koalition werden es nur noch jeweils 300.000 Euro sein.

Der CDU-Abgeordnete und Gesundheitsexperte Gottfried Ludewig kritisiert das: „Rot-Rot-Grün finanziert lieber neue Drogenkonsumräume und investiert allein 300.000 Euro in die Untersuchung von Drogenkonsum in der Partyszene.“ Zugleich falle neben der Unterstützung des Kinderwunschs unter anderem die Schaffung neuer Kreißsäle hinten runter.

Seit 2016 können auch unverheiratete Paare finanzielle Unterstützung beantragen

Wolfgang Albers, gesundheitspolitischer Sprecher der Linken-Fraktion, widerspricht. Es gebe keine Beziehung zwischen den Mehrausgaben für Drogenprävention und den Kürzungen für die künstliche Befruchtung. „Wir sind bei der Streichung von den Mitteln ausgegangen, die in der Vergangenheit für künstliche Befruchtung ausgegeben wurden.“

Und das war wenig: 2016 flossen jeweils 50.000 Euro von Bund und Land. 114 Auszahlungsanträge wurden 2016 bewilligt, 2017 waren es bis zum 31. August 77.

Kolat, die die Kürzung nicht kommentieren wollte, hatte die hohe Summe für den Haushalt 2018/2019 ursprünglich angemeldet, weil sie in der Zukunft mehr Anträge erwartet. Seit 2016 können auch unverheiratete Paare finanzielle Unterstützung beantragen.

Altersbeschränkung sinnlos

Albers meint, dass man Geld nachschießen könnte, falls die Zahl künstlicher Befruchtungen steigen sollte. Er fordert aber eine grundsätzliche Änderung der Förderung. Man solle zu einer Regelung zurückkehren, die bis 2004 galt.

Danach mussten sich die Paare an den Kosten beteiligen. Die Zahl der Babys, die nach künstlicher Befruchtung geboren wurden, nahm daraufhin drastisch ab. Im Jahr 2005 gab es bei gesetzlich krankenversicherten Frauen bundesweit 55 Prozent weniger Behandlungen als 2002.

Zudem findet Wolfgang Albers die derzeitige Altersbeschränkung sinnlos. Danach wird eine künstliche Befruchtung nur staatlich gefördert, wenn die Frau zwischen 25 und 40, der Partner maximal 50 Jahre alt ist.

Albers: „Es ist nicht nachzuvollziehen, warum eine 20-Jährige mit Kinderwunsch nicht unterstützt wird.“ Der medizinische Fortschritt mache es zudem auch möglich, dass Frauen über 40 ohne übermäßiges Risiko ein Kind austragen könnten.