Das warme Licht der Reklame fällt wieder aus einem Fenster. "Das Schönste aller Dinge, ein schneller Schluck bei Heinz und Inge", steht auf der Leuchttafel. Es ist das gleiche Dunkelgelb, das bis vor gut zwei Jahren durch ein Fenster in der Münzstraße in Mitte schien. Solange, bis die 121 Jahre alte Traditionskneipe Alt Berlin hier schließen musste. Ein Investor wollte das Haus sanieren lassen, auch große Anwohnerproteste konnten ihn nicht davon abhalten. Nun verkündet das Licht: Das Alt Berlin kehrt zurück.

Das Fenster allerdings ist ein neues. Es liegt nicht mehr in der Münzstraße, sondern in der Chausseestraße. Auf dem Gelände des Ballhaus Berlin erwacht die Kneipe zu neuem Leben. "Der Grundriss ist natürlich ein anderer, aber wir haben das Alt Berlin ansonsten zu 100 Prozent wieder aufgebaut", sagt Ballhaus-Betreiber Christof Blaesius. "Die Bar, die Stühle, die Tische, die Wandpaneele, das Rückbuffet, selbst die Zeichnung der bunten Rakete über dem Tresen... Es ist alles identisch." Natürlich fehlt auch das alte Türschild mit dem Namen "Bierstube Alt Berlin" nicht.

Buletten, Knacker und Soleier

Im Zuge der Einweihung der Terrasse des Ballhauses am Freitag zeigen die Macher auch das neue Alt Berlin erstmals ihren Gästen. Es ist in einem an die Biergartenfläche angrenzenden Flachbau untergebracht, der vorher als Lagerraum für das Tanzlokal diente. In dieser Woche feiert das Ballhaus sein 111-jähriges Bestehen. Zwei lange Geschichten verschmelzen hier also zu einer.

Eine, die wesentliche Teile der Vergangenheit des Alt Berlin prägte, wird am Freitag wohl auch mit dabei sein. "Inge war zu Tränen gerührt, als sie hörte, dass wir das Alt Berlin wieder aufmachen", sagt Blaesius. "Sie will kommen." Die alte Wirtin, die auf der Leuchtreklame im Fenster verewigt ist, führte die Kneipe zusammen mit ihrem verstorbenen Mann Heinz zu DDR-Zeiten. In ihrer Tradition galten Buletten, Knacker und Soleier bis zur Schließung, als die Wirte längst gewechselt hatten, als Spezialität der Küche im Alt Berlin.

Inge, Heinz und ihre Nachfolger gaben der Gaststätte die heimelige Note, die sie von den anderen Restaurants, Bars und Geschäften im blank sanierten Mitte unterschied. Prominente wie Quentin Tarrantino, Bill Murray oder Max Raabe tranken hier genauso unbehelligt ein Bier, wie die Menschen aus dem Kiez. Die Zeit schien zwischen den mit dunklem Holz vertäfelten Wänden still zu stehen.

Nicht alle Gäste ziehen mit

"Für viele Menschen war das Alt Berlin ein zweites Wohnzimmer", sagt Blaesius. "Die Tresenleute waren ein Bezugspunkt. Heute kennt ja niemand mehr seinen Barkeeper." Blaesius, der das Ballhaus erst vor zwei Jahren übernahm und vorher selbst zum Alt-Berlin-Freundeskreis gehörte, hat deswegen fast das komplette alte Tresenteam wieder angeheuert. Ob er glaubt, dass auch alte Gäste von früher wiederkommen? "Der Illusion gebe ich mich nicht hin. Das ist immer so, wenn ein Laden umzieht: Nicht alle ziehen mit", so Blaesius. "Aber wir wollen, dass auch neue Leute kommen und sich begeistern."