Kulturforum: Zurück zu Scharoun

Berlin - Der Architekt Stefan Braunfels – bekannt durch die Münchner Pinakothek der Moderne oder die Berliner Parlamentsbauten im Spreebogen – ist einer, der von sich selbst überzeugt ist. Und der sich gern engagiert. Etwa, wenn in seiner Wahlheimat Berlin Projekte aus seiner Sicht verpfuscht werden. Wie das Dauerstreitobjekt Kulturforum. Gestern stellte er einen Alternativentwurf zu den aktuellen Planungen vor.

Trotz herausragender Einzelbauten von Mies van der Rohe und Hans Scharoun, trotz der Philharmoniker, der Staatlichen Museen und der Staatsbibliothek ist das Kulturforum eine städtische Wüstenei. Kürzlich wünschte sich die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hier einen weiteren Neubau, als Erweiterung der Neuen Nationalgalerie und für deren Sammlungen des 20. Jahrhunderts. Doch soll er nicht auf dem Kulturforum entstehen, sondern hinter der Matthäikirche. Eine Planung, die Braunfels für einen eklatanten Fehler hält: „Wenn das gebaut wird, bleibt das Kulturforum die nächsten 20, 30 Jahre eine Wüste“, sagte er dieser Zeitung.

Drei Hauptelemente prägen seinen Entwurf. Erstens will Braunfels im Zentrum des Kulturforums, ganz so wie es 1964 schon Hans Scharoun vorschlug, ein flaches terrassiertes Gebäude entstehen lassen. Nun aber nicht mehr als Gästehaus, sondern eben als Erweiterung der Neuen Nationalgalerie. Zur Staatsbibliothek hin würde sich zwischen dieser Erweiterung der Nationalgalerie ein breites Tal bilden, zum Matthäikirchplatz eine angemessen hohe Hauskante.

Die Potsdamer Straße, seit ihrem Neubau in den 1990er-Jahren ziellos gekrümmt, soll nach Braunfels künftig geradeaus führen und sich vor der Philharmonie mit der Leipziger Straße in einem Rundplatz treffen. Wichtiger als die Fontäne darauf ist die Idee, den Eingang zur Philharmonie mittels eines Zeltdachs auch sichtbar Richtung Potsdamer Platz zu verlegen. Auch das Musikinstrumentenmuseum könnte dann seinen Eingang zurück erhalten. Und in dem kleinen Turm an der Straßenecke könnte tatsächlich ein wirklicher Kammermusiksaal mit um die 300 Plätzen entstehen. Anderes erscheint auch weniger durchdacht, wie etwa die Rahmung des Rundplatzes mit weiteren Turmhäuschen. Aber bei Braunfels ist immerhin ein Plan zu besichtigen, der zeigt, dass nicht nur das „Zurück ins 19. Jahrhundert“ oder die maximierte Ausnutzung der Bauflächen ein Ziel sein kann.