Berlin  - Unter dem Moto „Jüdisches Leben ist keine Provokation“ haben sich am Sonntag rund 300 Menschen zu einer Kundgebung vor dem Rathaus Neukölln versammelt. Die Teilnehmer waren einem Aufruf des „Bündnisses gegen Antisemitismus Neukölln“ gefolgt. Hintergrund ist, dass es in Berlin immer wieder zu antisemitischen Angriffen und Beleidigungen kommt. 

Zuletzt hatte die Polizei eine antisemitische Pöbelei eines 48-Jährigen gegen den israelischen Besitzer eines Lokals in der Dunckerstraße (Pankow) vermeldet, eine Woche vorher die Beschimpfungen eines 67-Jährigen gegen den Wirt einer Bar in der Wipperstraße (Neukölln). Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS Berlin) verzeichnete 2020 knapp über tausend Vorfälle, darunter 17 körperliche Angriffe.

Bürgermeister Hikel: „Jüdisches Leben sollte selbstverständlich sichtbar sein“

„Jüdisches Leben sollte selbstverständlich sichtbar sein, nicht nur in Neukölln, wo das bislang nicht hinreichend der Fall ist, sondern auch in ganz Berlin“, sagte Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) im Rahmen der Kundgebung. Tatsächlich ist das Bekenntnis zum Judentum oft mit Gefahren verbunden, wie das an dem „Bündnis gegen Antisemitismus“ beteiligte „Mideast Freedom Forum Berlin“ (MFFB) schon im Vorfeld der Kundgebung betont hatte: „Weltoffenheit und Toleranz bedeuten im multikulturellen Neukölln, dass hier jede Farbe und jede Flagge, jedes Symbol willkommen ist – nur der Davidstern nicht.“

Das hatten junge Jüdinnen am Rande einer pro-palästinensischen Kundgebung im Mai am Hermannplatz erfahren. Sie waren antisemitisch beleidigt worden und sollen von einem Polizisten den Rat bekommen haben, lieber keine Kette mit dem Davidstern offen zu tragen.

Im Nachgang wurde auch in einigen Medien die Frage gestellt, ob das Tragen eines solchen Symbols klug sei. Am Sonntag wurde diese Haltung kritisch kommentiert: „Ich habe das so verstanden, dass man der Gewalt weichen soll. Aber man muss die Angreifer maßregeln, nicht die Angegriffenen“, befand der Antisemitismusbeauftragte der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Sigmount A. Königsberg.