Reitwein - Sie haben 24 Stunden geöffnet an 365 Tagen im Jahr - und sind sehr klein: Die Kunstgalerien Trafo.1 und Trafo.2. Der Besucher blickt durch Panzerglas auf Kunstwerke im Innenraum.

«Die meisten Besucher sind Radfahrer, Dorfbewohner kommen eher selten», sagt Michael Pommerening, der die beiden Galerien - ein Trafo-Häuschen im Falkenhagener Ortsteil Regenmantel und eine alte Waage in Dolgelin (beides Märkisch-Oderland) - betreibt. Vom 20. Juni bis 1. August zeigt Matthias Mücke dort Grafik und Buchkunst.

Die Ausstellungsflächen sind bescheiden - rund drei Quadratmeter in Regenmantel, etwa doppelt so viel in der Waage. Ein drittes Objekt kommt 2016 in Reitwein dazu - Trafo.3. Das Gebäude hat Pommerening gepachtet. Auch Fördergelder hat er zum ersten Mal beantragt.

Er wolle das Interesse an Kunst auf dem Land wecken, sagt er. Radfahrer könnten von 2016 an die drei Orte abfahren, wo zusammen 16 Bilder gezeigt werden können. Die «Trafo»-Galerien liegen nicht unmittelbar an ausgeschilderten Radwegen. «Doch neugierige Touristen werden angezogen», sagt ein Sprecher des Landkreises. Rund 5000 Besucher kamen laut Pommerening bislang. Die Besucher könnten über Kunst reden, eine Vorstellung bekommen, was Künstler schaffen und die Landschaft genießen.

Nur ein Künstler stelle jeweils aus, die Themen hingen aber miteinander zusammen. «Künstler zu finden, ist kein Problem», berichtet der Initiator. Sie sähen es für sich als kleine Chance, an ungewöhnlichen Orten auszustellen. Für Betrachter bestehe der Reiz, nur eine Handvoll Bilder zu sehen und die Geschichte dahinter zu suchen.

Reitwein liegt unmittelbar an der Oder. Sein Traum sei, den Sprung über den Fluss zu schaffen und auch dort eine Galerie in einem Trafo-Haus einzurichten, meint Pommerening. Polnische Künstler könnten im Gegenzug ihre Werke in Brandenburg zeigen.

In der Mark gibt es nach Schätzungen des Vereins Kulturland Brandenburg etwa 1000 Galerien und Ateliers. Die Szene wachse, sagt Sprecher René Gramzow. Mit Blick auf das Projekt Kunstregen meint er: «Das ist schon sehr speziell.» Etwas ähnliches sei ihm nicht bekannt.

Für Pommerening sind seine Galerien die kleinsten der Welt. Der Journalist verweist auf das Guinness-Buch der Rekorde. «Das wurde mir bestätigt», sagt er. Offiziell will der 62-Jährige aus Kostengründen das nicht feststellen lassen, sondern eher provozieren: «Es wäre schön, wenn mir jemand das Gegenteil melden würde.» (dpa/bb)