Dort, wo sie waren, verschwindet der Müll von der Straße: versiffte Matratzen, demolierte Fahrräder und Einkaufswagen, kaputte Kühlschränke und ausrangierte Möbel, die manche Leute auf die Straße stellen. Das sind genau die Dinge, nach denen die Künstlergruppe Bosso Fataka sucht. Tagsüber ziehen die vier Männer durch Friedrichshain und Kreuzberg, sie haben eine Leiter dabei und eine Schablone mit ihrem Gruppennamen. Ihr wichtigstes Arbeitsmittel ist Frischhaltefolie, 50 Meter lang, im Drogeriemarkt kostet so eine Packung 60 Cent.

Den ausgewählten Sperrmüll, der sich für ausgefallene Installationen eignet, wickeln die Männer in mehreren Schichten Folie an Lichtmasten, meist ganz oben, oder ganz niedrig, niemand soll sich verletzen. Ist alles gut verpackt, signieren die Männer ihr Werk. BF sprühen sie mit Schablone darauf, damit jeder weiß: Bosso Fataka waren hier.

Straßenkunst für kurze Zeit

Mittlerweile sieht man die gewickelten Werke an vielen Orten der Innenstadt: am Alex, auf dem Mittelstreifen der Frankfurter Allee, vor dem Berghain, in der Simon-Dach-Straße und auf der Oberbaumbrücke. Meist hängen die Objekte nur kurze Zeit, die Stadtreinigung entfernt sie. Bosso Fataka ist das egal, die Gruppe schafft keine dauerhaften Werke, ihre Straßenkunst ist temporär.

Seit vergangenem Sommer sind die vier Freunde in der Stadt unterwegs, und sie gehören längst zu den bekannten Aktivisten der Berliner Street-Art-Szene, die mit ihren selbst gemalten Bildern, Collagen, Schablonen, Sprüchen, Graffiti und Aufklebern auf sich aufmerksam machen.

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Natürlich sind diese Werke umstritten, Hauseigentümer und Anhänger einer sauberen Stadt würden sie sofort entfernen, die Erschaffer bestrafen. Doch in der Kreativwelt der Großstädte hat sich Street Art als eigenständige Kunstrichtung etabliert, sie füllt Fotobände und Ausstellungen. Manche Werke, man denke zum Beispiel an die Schablonengraffiti des britischen Straßenkünstlers Banksy, sind weltweit bekannt.

Männer zwischen Mitte und Ende 20

Es dauert mehrere Monate, bis Bosso Fataka einem Treffen zustimmen. Die Männer zwischen Mitte und Ende 20 wollen unerkannt bleiben, sie nennen sich Falkland, Pateh, Baum und Klärchen, sie haben keinen Sprecher, sie sind ein Kollektiv. Manche aus der Gruppe kennen sich seit der Schulzeit, sie studieren heute Architektur und Design, einer ist Freiberufler. Sie leben in Friedrichshain und sehen aus wie viele junge Leute dort.