Kunst-Überraschung am Alexanderplatz: Kundencenter wird Ausstellungsort für surreale Kunst

Es sind wahrlich unerwartete Begegnungen an einem Ort, an dem es üblicherweise um nüchterne Zahlen und Fakten geht, um Soll und Haben, Zinserlös und tausend Fragen, die sich um den schnöden Mammon drehen, der die Welt auch der kleinen Leute regiert.

Längs der Wände hängen Traumbilder: Fantasiegebilde und metaphysische Gestalten überziehen bunte Bildflächen.Übernatürliches schlummert im Unterbewussten. Alles wirkt unwirklich, zugleich aberwitzig, skurril. Da prangt eine angebissene Birne Helene mit Glühdraht und guter alter Messing-Schraubfassung. Ein ausgedienter blauer Stöckelschuh träumt, nunmehr ein Schwimm-Pumps zu sein. Daneben spuckt auf großem Papierformat ein exotischer Vulkan lauter Wolken. Und auf einem weiteren Bild führt eine Brücke ins Nichts.

All diese surrealen Szenen, akkurat gerahmt und mit Titel und Namen der jungen Künstler versehen, schmücken derzeit das Sparkassen-Beratungscenter am Alexanderplatz. Hier, wo tagtäglich Kunden beraten werden, breiten sich unterhaltsam, humorig und denkwürdig „Surreale Welten“ aus. Der Kunst-Leistungskurs der privaten Kant-Oberschule im Südwesten Berlins hat die Räume mit dieser überraschenden Schau verwandelt – und Mitarbeitern wie Kunden gefällt es, wie sich nun Büro-Nüchternheit und Fantasie vermischen.

25 Schüler aus dem Kurs ihres Lehrers Manfred Gipper haben sich dem ab 1920 vor allem in Paris, aber auch in Berlin aufgekommenen Stil des Surrealismus zugewandt. Und gewiss weilten die jungen Leute zuvor lange in der Charlottenburger Sammlung Scharf-Gerstenberg. Dort haben die „Surrealen Welten“ nämlich ein ganzes Museum.

Sparkasse, Beratungscenter, Alexanderpl. (2. OG.), bis 10. 4. Mo-Fr 9.30–18 Uhr.