Slevogt oder Nicht-Slevogt? Dimitra Reimüller hat von Anfang an eine Ahnung, will aber ganz sicher gehen. Sie sucht das Bild nach einer Signatur des Pfälzer Malers des deutschen Impressionismus ab, nach einem Leinwandstempel. Und findet – nichts. „Schade“, sagt sie, „es ist so ein schönes Porträt. Und gut gemacht.“ Aber eben definitiv kein Slevogt und damit ungeeignet für Dimitra Reimüller.

Die Kunsthistorikerin und Expertin für Gemälde des 19. Jahrhunderts stammt aus Wien. An diesem Montagvormittag sitzt sie in einem Saal des Hotels Kempinski am Kudamm und begutachtet, was die Berliner ihr vorbeibringen. Neben Reimüller sitzen Fachleute für Moderne und Zeitgenössische Kunst, Alte Meister, Jugendstil, Juwelen, Möbel und für Asiatische Kunst. Sie sind Kunstschätzer des österreichischen Auktionshauses Dorotheum. 600 Auktionen richten die Wiener jährlich aus. Dafür werden jährlich Tausende Kunstwerke benötigt. Um diese quasi einzusammeln, finden regelmäßig Expertenberatungstage in großen Städten statt. Zweimal im Jahr ist Berlin dran.

Ein lohnendes Geschäft

Am Montag hatten sich die Schätzer mit Lampen, Lupen und Sachverstand im Kempinski aufgebaut. Der Aufwand lohnt sich durchaus. Rund 9,6 Prozent jedes Versteigerungswertes bleibt beim Auktionshaus.

Manfred Müller ist mit seinem vermeintlichen Slevogt abgeblitzt. Es stamme aus einem großbürgerlichen Haushalt am Viktoria-Luise-Platz in Schöneberg, sagt er. Eine frühere Profi-Tennisspielerin habe alles ihrem Sohn vermacht, ehe sie 1978 starb, darunter weitere Bilder und allerlei Kunstgegenstände.

Der Sohn sei 2011 gestorben, erzählt Müller, er selbst durch familiäre Verbindungen Alleinerbe geworden. Und ja, das eine oder andere aus dem Haushalt habe er schon versilbert. Ob er jetzt enttäuscht sei, dass dieses Bild nichts einbringe? „Ach was. Wenigstens muss ich die Versicherungssumme nicht erhöhen“, sagt er, steckt seinen Nicht-Slevogt zurück in eine Plastiktüte und geht.

Und dann: rosa Flamingos an einem Teich. Ein echter Kuhnert. Friedrich Wilhelm Kuhnert, geboren 1865 in Schlesien, war ein Maler und Illustrator, der sich auf Tierbilder spezialisierte. Ein Privatmann hat es vorbeigebracht, seinen Namen will er nicht nennen. Den Kuhnert habe er bei einem Händler erstanden.

Dimitra Reimüller freut sich über die Flamingos und schließt mit dem Mann, den sie von vorherigen Terminen schon kennt, einen Vorvertrag ab. „Das ist ein schönes Werk. Ich trage es mit einem Schätzwert von 10 000 bis 14 000 Euro ein. Was es am Ende bringt, weiß man nie“, sagt sie.

Wie viel der Montag erbracht hat, wird frühestens die Auktion zeigen. Einige Zweifelsfälle werden weiter geprüft, ehe sie tatsächlich unter den Hammer kommen. Der Rest geht zurück an den Anbieter.

Sicher ist, dass diesmal keine neuen Berliner Rekorde vermeldet werden können. Das war 2010 ganz anders. Da hatten die Experten ein Bild des flämischen Malers Frans Francken dem Jüngeren aus dem Jahr 1633 angenommen. Das Werk war angeblich zuvor auf einem Berliner Dachboden gelagert und dort zufällig gefunden worden. Bei der Auktion ging es unter dem Titel „Der Mensch zwischen Tugend und Laster“ für 7 Millionen Euro weg.

Schon früh scheiterte diesmal ein Werk, das sein Besitzer als „einen Fragonard“ angekündigt hatte und das möglicherweise eine ähnliche Summe hätte erbringen können. Jean-Honoré Fragonard gilt als einer der wichtigsten französischen Rokoko-Maler im 18. Jahrhundert – und ist einer der teuersten: Zuletzt wurde in London für ein Bild von ihm 20,5 Millionen Euro erzielt.

Wie sich rasch herausstellte, war der Berliner Fragonard aber gar keiner. „Es war so ein schlechtes Bild, gemalt von einem Amateur. Nie im Leben ein Fragonard, obwohl es eine Signatur besitzt“, berichtet Damian Brenninkmeyer, bei Dorotheum zuständig für Alte Meister.

Ob man ihn mit dem Bild vielleicht hat betrügen, ihm also eine Fälschung unterschieben wollte, sagt der Sachverständige nicht. „Die Anbieter waren Laien, die wussten es nicht besser.“ Sicher sei jedoch, dass dieses Bild nicht einmal so viel Wert sei, wie allein der Transport nach Wien zur Auktion koste, so Brenninkmeyer.

Brenninkmeyer hat einen Rat für die Besitzer, die sich möglicherweise schon als Millionäre gesehen hatten und deren Träume nun platzten: „Wir sagen in solchen Fällen gerne: Es ist ein dekoratives Stück. Hängen Sie es wieder hin!“