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Das Berliner Kunsthaus Tacheles in der Oranienburger Straße 54 -56a in Mitte wurde mit sofortiger Wirkung geschlossen. Die Entscheidung fiel am Montag im Bezirksamt Mitte. Grund seien erhebliche Mängel beim Brandschutz. So seien die Rettungswege des Tacheles nicht beziehungsweise nicht ausreichend sicher nutzbar, hieß es in der Behörde.

Die Fluchtwege seien zum Teil verstellt oder verschlossen. Auch die Rauchabzugsanlagen und die manuelle Alarmierung sollen nur eingeschränkt zugänglich sein. Nach Einschätzung des Bezirksamts stellt das Gebäude in diesem Zustand aktuell eine Gefährdung für die öffentliche Sicherheit dar. „Sobald die festgestellten Mängel beseitigt wurden, kann das Gebäude wieder in Nutzung gehen.“, sagte Baustadtrat Carsten Spallek (CDU).

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Laut Tanja Lier, Amtsleitung der Bauaufsicht Mitte, hat sich die Behörde sofort nach der Überprüfung der Brandsicherheit am vergangenen Donnerstag per E-Mail an das Tacheles gewandt: „Eine Good-Will-Aktion“, sagt Lier, „wir haben angeboten, am selben Tag mit den Künstlern durchs Haus zu gehen und die Beanstandungen zu klären.“

Es seien ja keine baulichen Maßnahmen dort nötig, sondern es müsse nur aufgeräumt werden und verschlossene Rettungswege müssten wieder geöffnet werden. Doch dem Amt habe nur eine Kontaktadresse aus dem letzten Jahr gehabt, die ihnen die Mieter damals gegeben hatten. Weil keine Reaktion erfolgte, habe es am Freitag dann eine weitere Mail gegeben – eine Anordnung an den Zwangsverwalter, die Nutzungsuntersagung durchzusetzen.

„Prinzipiell bleibt aber unser Angebot an die Tacheles-Mieter“, sagt Lier. Nur müssten sich diese im Bezirksamt melden. Warum die Anzeige des Tacheles-Zwangsverwalters jetzt erfolgte, darüber kann man nur spekulieren. Denn schließlich steht mit dem 4. September der offizielle Räumungstermin für das Kunsthaus schon längst fest.

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Martin Reiter, Sprecher der Künstlerinitiative Tacheles, sieht ein System hinter der Anordnung. „Unser Zwangsverwalter ist die Kanzlei Schwemer Titz und Tötter. Die haben vor gut zwei Wochen ihre Sicherheitskräfte hergeschickt, uns den Strom abgestellt und einige Notausgänge zugesperrt“, sagt er.

Holger Schwemer sagt dazu, dass der Strom des Tacheles bei einem Gewitter ausgefallen sei. Reiter hält das für ein vorgeschobenes Argument: „Die Herren vom Sicherheitsdienst sind hier bei Sonnenschein ins Haus spaziert und haben im Keller den Strom abgeschaltet.“

Das weit über Berlin hinaus bekannte Tacheles war 1990 von der Initiative besetzt worden. Später erhielten die Künstler günstige Mietverträge, die allerdings 2008 ausliefen. Zur Zeit bestehen im Haus noch 30 Ateliers.