Alte Knochen liegen auf dem Tisch im Ausstellungsraum des Kunstquartiers Bethanien (Berlin-Kreuzberg). Dahinter stehen bläuliche Glasobjekte in rundlichen, unebenen Formen. Beides sind Überbleibsel der Fleischproduktion von Steak bis Wurst, hier liegen die kläglichen traurigen Reste vom gesunden Tier. Aus diesem Abfall Wertvolles zu fertigen, ist das Ziel von Produktdesignerin Ella Einhell. Für ihre Arbeiten mit den Tierresten bekam die 25-Jährige jetzt den Mart-Stam-Preis der Kunsthochschule Weißensee.

Der Zustand ist ihr nicht erträglich, dass „46 Prozent der Tiere sinnlos vernichtet werden. Insgesamt sind das 400.000 Tonnen jährlich in Deutschland.“ Organe, Augen, Blut, Knochen, „alles wird einfach zu einem Brei verarbeitet.“

Das Tierleid ist ungeheuer

Für die Recherchen war Ella Einhell in Tierverwertungsanlagen, Metzgereien und Krematorien unterwegs. „Unfassbare Massen von Tierköpfen werden in Containern wie Matsch zusammengeworfen.“ Sie selbst ist schon seit ihrer Jugend Vegetarierin. „Das Tierleid ist ungeheuer. Warum werden auch noch die Tierreste würdelos verschwendet?“ Dabei sind sie wertvolle Ressourcen, das hat die 25-Jährige mit ihren Arbeiten durchdekliniert. „Ich will den Wesen ihren Wert zurückgeben.“

Aus Tierknochen eine Brühe kochen kann jeder. Aber die Möglichkeiten der Tierüberbleibsel gehen weit darüber hinaus. Die Knochen da auf dem Tisch sind schwarz angekokelt. Sie waren die Form für die Glasobjekte. Der Glasbläser drückte das erhitzte und dadurch formbare Glas in das Schulterblatt des Schweins.

Bis zu zehn solche Prozeduren lang bleibt das tierische Material konstant in Form. Knochenhart eben, der Ausdruck kommt nicht von ungefähr. Ella Einhell hat in ihren jahrelangen Experimenten an Tierresten erfahren: „Das Kollagen in Knochen gehört zu den stärksten Klebern, die es gibt.“

Rohstoffknappheit macht alte Techniken interessant

In der Menschheitsgeschichte spielten Tierknochen lange eine größere Rolle als heute. Kollagen verwendete man in der Holzindustrie als Kleber. Moderne Stoffe wie erdölbasiertes Plastik verdrängten alte Techniken. Im Zuge von Rohstoffknappheit werden die wieder interessant.

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Kunstquartier Bethanien, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin; bis 22.5. Mo.–Mi./Sa.–So. 14–20 Uhr, Do.–Fr. 14–22 Uhr