Berlin - Nachtschicht schoben bislang im Haus der Deutschen Bank Unter den Linden bloß die Wachleute. Seit Freitag wissen auch Banker und Kulturleute des Hauses, wie das ist, sich wegen der Berliner Kunst die Nächte um die Ohren zu schlagen. 2147 Künstler der Stadt – was für ein Bedarf! – hatten Schlange gestanden, um Werke einzureichen für die 24-Stunden-Schau „Macht Kunst“. Weil der Platz nicht reichte, gibt es die Fortsetzung vom 28. zum 29. April, dann in der viel größeren Alten Münze.

Der Aufwand, die Nachtarbeit, die unerhörte Schnelligkeit, mit der die Ausstellung zustande kommen musste, haben sich gelohnt. Jeder Berliner Museumsdirektor darf jetzt vor Neid erblassen. Die alte neue KunstHalle der Deutschen Bank (vormals Deutsche Guggenheim) hatte in nur 24 Stunden 6000 Besucher, die geduldig angestanden, auch ihrerseits auf den Nachtschlaf verzichtet hatten, um all die vielfältigen Bilder zu sehen, für die es gestern zum Finale drei Fachjurypreise und einen Publikumspreis gab.

Der in Berlin geborene Nicolas Balcazar bekam für seine futuristische Fotomontage den Jurypreis, was eine Ausstellung in der DB-KunstHalle bedeutet. Gleiches gilt für die Potsdamerin Rebecca Michaelis und ihr Spiralbild (Berliner Zeitung vom 9. 4.) sowie Sonja Rentsch aus Herdecke, die mit lapidarer Konzeptkunst-Geste ein Geschirrtuch an einem Porzellanhaken an die Hallen-Wand gepinnt hatte, lesbar als witzige Paraphrase auf die Readymade-Kunst etwa von Marcel Duchamp. Den Publikumspreis errang der Kroate Lovro Artukovic für sein melancholisches Mädchen-Doppelbildnis. Ein Jahr lang bekommt der Glückliche ein Monatsstipendium von 500 Euro.