Wie kann eine Stadt einem ihrer großen Künstler der Moderne so Unrecht tun? Fritz Kühn (1910–1967), international geachteter Metallbildhauer und Fotograf, hat in den Sechzigerjahren, im Auftrag des Ost-Berliner Magistrats, öffentliche Wahrzeichen geschaffen, die heute vernachlässigt sind: der Brunnen „Schwebender Ring“ am Strausberger Platz, das A-Portal der Berliner Stadtbibliothek Breite Straße und die 24 „Stadtbänke Unter den Linden“.

Letztere ließ das Amt Mitte schon in den 1990er-Jahren vom Mittelstreifen entfernen. Restexemplare wurden am Gendarmenmarkt aufgestellt, mit neuen Latten versehen, die aber in Form und Farbe nichts mehr mit dem Kühn-Entwurf zu tun hatten und in 13 Fällen gänzlich nur noch Kopien waren. Ein „urheberrechtlicher Schadensfall“, räumte das Bezirksamt Mitte gegenüber der Fritz-Kühn-Gesellschaft ein, die sich für den Nachlass des Künstlers einsetzt. Aber wegen der Haushaltslage, so teilte die Behörde mit, werde die Behebung des Schadens dauern.

Im Sommer dieses Jahres hatte dasselbe Amt der Fritz-Kühn-Gesellschaft zugesichert, dass die 117 stark korrodierten und ausgebleichten Buchstabenplatten am Portal der Stadtbibliothek urheberrechtsgetreu bearbeitet werden sollten. Diese Restaurierung hätte die Kunstschmiedewerkstatt von Achim Kühn, in der vom Meister das komplizierte Anlass-Farb-Verfahren auf Metall entwickelt und dem Sohn vermittelt worden war, mit der entsprechenden Fertigkeit ausgeführt.

Erfolgloser Kampf der Kühn-Gesellschaft

Das Bezirksamt Mitte reagierte nicht. Ebenso wenig reagierte die zuständige Stelle in Friedrichshain wegen der dringenden Reparatur der lädierten Kupferplatten am Brunnen Strausberger Platz. Wasserstein hat sich ins Metall gefressen, in die Halterungen, in die goldfarbenen Oberflächen. Seit 1990 wurden zwar die Brunnentechnik erneuert und das Becken saniert. Für die metallenen Skulpturen-Teile gab es aber keine Restaurierung. Schon im Januar hatte sich die Kühn-Gesellschaft ans Abgeordnetenhaus gewandt, auf den schlechten Zustand dieser Auftragswerke im Stadtraum verwiesen. Antwort gibt es bis heute nicht.

Der (Ost-)Berliner Künstler Fritz Kühn hat, wie es scheint, unter den Politikern seiner wiedervereinten Stadt keine Lobby. Erfolglos kämpf die gemeinnützige Kühn-Gesellschaft seit Jahren für ein museales Projekt, in dem der immense Nachlass öffentlich werden könnte. Fritz Kühn hatte seinerzeit einen geistesverwandten Bildhauerkollegen im Westen Berlins: Bernhard Heiliger. Dessen Nachlass fand unlängst würdigen Platz im senatsfinanzierten Kunsthaus Dahlem. Fritz Kühns Nachlass nicht.