Berlin - Am Sonnabend ist die Polizei gleich an mehreren Stellen in der Stadt massiv gefordert: Zum einen gilt es das Fußballspiel der beiden Berliner Bundesligisten Hertha BSC und 1. FC Union in Köpenick abzusichern, zum anderen eine Großdemonstration zu beschützen. Mehr als 1300 Polizisten werden im Einsatz sein. Die Gewerkschaft der Polizei spricht von extremer Belastung.

Unter dem Motto „Stoppt den Krieg – Solidarität mit Rojava" rufen pro-kurdische Aktivisten seit Tagen bundesweit zu einer Großdemonstration in Berlin auf. Mehrere Tausend Demonstranten wollen vom Neptunbrunnen zum Brandenburger Tor ziehen. Nach Angaben eines Polizeisprechers ist die Demonstration von 11 bis 20 Uhr geplant. Der Anmelder ist eine Einzelperson.

Aufzug in Neukölln

Zu der Großdemo in Mitte mobilisieren neben kurdischen Verbänden auch linksextreme Gruppen wie die Interventionistische Linke, sowie ein Sammelsurium von Antifa-Gruppen wie die Undogmatische Radikale Antifa Dresden, aber auch Umweltgruppen der Kampagne Ende Gelände und Fridays For Future.

Auch in Neukölln soll es in der Zeit von 15.30 Uhr bis 19 Uhr eine pro-kurdische Demonstration geben. Der Aufzug soll von der Herrfurthstraße zum Schlesischen Tor in Kreuzberg ziehen. Erwartet werden 500 Teilnehmer. Auch hier ist es eine Einzelperson, die den Aufzug angemeldet hat.

Diese Demo ist aus Sicht mancher Polizeibeamter die kompliziertere. Denn in den Neuköllner und Kreuzberger Kiezen, durch die die Kurden und ihre Sympathisanten ziehen, wohnen auch viele nationalistisch eingestellte Türken.

Seit Beginn der türkischen Invasion in die Kurdengebiete Nordsyriens am 9. Oktober kam es in Kreuzberg und Neukölln zu mehreren Demonstrationen, bei denen es Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Türken gab. Dabei wurden auch mehrere Polizisten verletzt.

Den Aufrufen zufolge soll am Sonnabend nicht nur die „Revolution in Rojava“ verteidigt werden, sondern man will sich die Stadt auch „von unten“ erkämpfen: Um 17 Uhr soll vom Lausitzer Platz eine Demonstration losziehen, die für den Erhalt von „emanzipatorischen Projekten“ wie der Rigaer Straße 94 oder der Liebigstraße 34 wirbt.

Parallel zu den Demonstrationen findet in der Alten Försterei in Köpenick das erste Stadt-Derby in der Bundesliga zwischen Union und Hertha statt. Die Polizei stuft dies als ein brisantes Fußballspiel ein, weil in die rot-weiße und die blau-weiße aktive Szene sich nicht wohlgesonnen ist. Um 14 Uhr will sich der Hertha-Anhang Facebook-Aufrufen zufolge am Boxhagener Platz in Friedrichshain treffen und dann vom Ostkreuz aus zur Alten Försterei fahren.

Die Berliner Polizei hat für diesen Tag Unterstützungseinheiten aus anderen Bundesländern angefordert. Hilfe kommt auch von der Bundespolizei. Sie wird vor allem die Fußballfans überwachen, die mit der S-Bahn auf dem Weg nach Köpenick sind.

Gewaltbereite Fans im Anmarsch

„Wir werden die Fans auf der An- und Abreise begleiten“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Die Sicherheitsvorschriften seien sehr hoch, so der Beamte. Die Behörden rechnen damit, dass auch Fans der Kategorien B und C in die Alte Försterei kommen. B steht für diejenigen, die zu Gewalt neigen und C für die Anhänger, die Gewalt suchen.

1000 Beamte werden nach bisherigen Planungen im Einsatz sein und versuchen, die Fangruppen zu trennen. Bei normalen Bundesliga-Spielen ist es die Hälfte. Hinweise auf Gewaltaktionen zwischen den Fans liegen der Polizei bislang nicht vor. Das schließe jedoch nicht aus, dass alte Rivalitäten wieder aufflammen. Die Polizei rät Autofahrern, die Wuhlheide weiträumig zu umfahren.